Christine Reinckens und Michael Jastram stellen in der Galerie Liebau aus

Entscheidende Phasen

Der Bildhauer Michael Jastram und die Malerin Christine Reinckens stellen zurzeit in der Galerie Liebau in Burghaun aus. Im Hintergrund zwei Aktmalereien von Christine Reinckens. Rechts vorne die figürliche Darstellung aus Bronze „Tower II“ von Michael Jastram. Foto: Desoi

Burghaun. Die Malerin Christine Reinckens und der Bildhauer Michael Jastram stellen bis zum 10. Juni ihre Werke in der Galerie Liebau in Burghaun aus. Beide sind preisgekrönte Künstler.

Passender könnte der Titel der Ausstellung nicht sein: „Rasten und Reisen“. Schon beim Betreten der Galerie nehmen die lebensgroßen und farbenfroh gemalten Menschen den Besucher in Empfang. Man spürt gleich: Die Malerin kann was. Sie beherrscht ihr Handwerk.

Endlos lange Bank

Auf einer endlos langen Bank sitzen lebensgroß Frauen, Männer und Kinder. Und sie warten wie in einer Wartehalle. Ihr Ausdruck ist ganz unterschiedlich und doch teilen sie eine Facette. Sie transformieren den Betrachter in eine Zeit der Ruhe und Gelassenheit.

Je mehr Besucher in die Galerie strömen, desto intensiver wirkt die gefühlte Körpersprache der Komposition. Bilder und Besucher werden gefühlsmäßig eins: Abschalten und genießen.

Geduldiges Standhalten

Das Ambiente der Galerie und die Anwesenheit der ausstellenden Künstler tun das Übrige. Fragen sind erwünscht und werden gerne beantwortet. So die Künstlerin Christine Reinckens: „Im Kontext meiner künstlerischen Arbeiten zum Thema Lebensspuren beschäftige ich mich immer wieder mit Menschendarstellungen in bestimmten entscheidenden Phasen des Lebens. Schwangere, Kinder, alte und sterbende Menschen. Der Moment des Gemaltwerdens, dieses Versinken und Verharren in ihrem so Sein, erzeugt einen bestimmten Gesichtsausdruck, der gleichzeitig tagträumende Flüchtigkeit und geduldiges Standhalten vereint.“ Insgesamt hat das Kunstwerk „Variationen des Wartens“ eine Länge von 40 Metern. Nur Teile der Komposition sind in der Galerie zu besichtigen.

Harmonisch dazu stehen die Bronzefiguren des Bildhauers Michael Jastram im Raum. Rauh und sperrig wirken sie auf den ersten Blick. Die grün oxydierte Bronze wirkt archaisch, wie eine tausend Jahre alte Grabbeigabe. Immer wiederkehrende Elemente wie das Rad, ein Wagen oder eine Treppe hauchen dem Betrachter seine Endlichkeit und die Zeitlosigkeit der Ewigkeit entgegen. Mit großer Ästhetik und Klarheit wurde hier jede kleinste Facette bedacht und diffizil ausgearbeitet.

Langer Werdegang

Jastram ist ein Meister seines Faches. Geduldig erklärt er den langen Werdegang von Idee, Zeichnung über Modelle aus Gips, Wachs und Silikonform bis hin zum in Sandform geschmolzenen Metall. Nach Burghaun war er ohne seine Zeichnungen angereist. Diese stellt er zur Zeit im Europarat Brüssel in der Abteilung des Deutschen Bundestages bei der Europäischen Union aus.

Rainer Rueppell setzt mit seiner klassischen Gitarre das I-Pünktchen. Die Klänge untermauern die Zeitreise in die Vergangenheit, Ruhe und Bedächtigkeit.

 Hintergrund

Von Christa Desoi

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