Die Gefriergemeinschaft Meisenbach feiert am Sonntag ihr 50-jähriges Bestehen

Das Eisfach als Treffpunkt

Meisenbach. Das Summen des Kompressors ist kaum zu überhören: Während die meisten Gefrieranlagen im Landkreis längst außer Betrieb sind, wird die Meisenbacher Anlage immer noch genutzt. Ihren 50. Geburtstag feiert die Gefriergemeinschaft dieses Jahr.

Am 4. März 1964 wurde die Gefriergemeinschaft Meisenbach gegründet, im August wurden die 21 Gefrierfächer an die Mitglieder verlost. „Die vorderen Fächer waren natürlich begehrter, als die hinteren“, erklärt Ernst Streck. Der heute 85-Jährige gehörte damals zu den Gründungsmitgliedern. In Eigenleistung wurde die Anlage in dem kleinen Fachwerkhaus, das zuvor als Wohnhaus diente, eingerichtet. Wer Mitglied in der Gemeinschaft werden wollte, musste 47 Arbeitsstunden nachweisen. Einmalig 600 Mark pro Fach zahlten die Mieter, viele Familien nutzten gleich zwei Fächer.

„Eine schöne Zeit“

„Wie Pilze aus dem Boden geschossen“ seien die Gefriergemeinschaften um die 60er-Jahre, erinnert sich Streck. Bis dahin habe man alles eingekocht. „Wir hatten hunderte Einkochgläser zu Hause“, berichtet er. Vor allem Fleisch aus eigener Schlachtung sowie Gemüse und Obst aus dem Garten wurde früher eingefroren. Heute werden in den Eisfächern gerne auch Pommes oder Speiseeis gelagert.

„Das war eine schöne Zeit damals“, erzählt Ernst Streck. „Dort hat man sich getroffen.“ Die Gefriergemeinschaft habe auch wesentlich zum Zusammenhalt im Dorf beigetragen. Auf ihre Initiative hin wurde die Schützhütte auf dem Platz an der Linde errichtet, in den 80er-Jahren entstand die Idee zum jährlichen Grillfest.

200 Liter fassen die Fächer, die jetzt für fünf Euro im Monat vermietet werden. Der Vorfroster kann kostenlos genutzt werden, der Kühlraum für zwei Euro am Tag. „Dort werden zum Beispiel geschlachtete Schweine aufgehängt“, erklärt Helmut Glebe, der erst vor kurzem den Vorsitz der Gemeinschaft übernommen hat. Zwar hat längst jeder seine eigenen Gefrierschrank im Haus. „Aber viele behalten ihr Fach aus Tradition“, so Glebe, der aber natürlich auch weiß, dass es die Gefrieranlage nicht ewig geben wird.

Auf der Kippe stand sie zuletzt 2012, als der Kompressor kaputt ging, und alle Fächer ausgeräumt werden mussten. 1984 hatte ein Blitzeinschlag Schaden angerichtet.

Noch hat die Gefriergemeinschaft 14 Mitglieder, bei 49 Einwohnern im Dorf. 17 Fächer sind vermietet – das reicht, um die laufenden (Strom-)Kosten zu decken. Sollte die Anlage wieder einmal ausfallen, informiert die Sirene auf dem Dach darüber. Ernst Streck, der gegenüber wohnt, hat aber ohnehin alles im Blick. „Wir haben die Anlage immer gut gepflegt, das zahlt sich jetzt aus“, sagt er stolz. GeburtstagsFeier

Von Nadine Maaz

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