Großentaft feierte den Auftakt seines Jubiläumsjahres mit unterhaltsamer Zeitreise

Einzigartig durch Kegelspiel

Fein fürs Jubiläum: Der Heimat- und Geschichtsverein Großentaft präsentierte sich in einem gelungenen Outfit. Die Mitglieder trugen die Arbeitsbekleidung der heimischen Bevölkerung aus dem 17. bis zum 19. Jahrhundert. Fotos: Desoi

Großentaft. Vor 1200 Jahren ist Großentaft zum ersten Mal urkundlich erwähnt worden. Das Jubiläumsjahr hat der Festausschuss unter tosendem Beifall des Publikums jetzt mit einer gelungenen Veranstaltung eröffnet, einem Abend mit einer interessanten Talk-Runde, Theater, Musik, Gesang, Bilder-Show und interessanten Infos – eine Zeitreise durch die Geschichte.

Die Auftaktveranstaltung war mit Bedacht auf den 27. März gelegt worden. Der Vorsitzende des Festausschusses Harald Hahn: „In der Chronik kann jeder nachlesen: „Zum ersten Mal findet sich Großentaft urkundlich erwähnt in dem Zehntabkommen von Retzbach am Main, das am 27. März 815 zwischen Bischof Wolfger von Würzburg und Abt Ratgar von Fulda getroffen wurde. Darin wurde Fulda das kirchliche Zehntrecht in den beiden Taft zugesprochen.“ Mit den beiden Taft sind Großentaft und Wenigentaft gemeint. Dieses Ereignis wurde zum Anfassen nah von der Theatergruppe nachgespielt.

Die zwei Conférenciers des Abends – Josef Richter, im jeweils passenden geschichtlichem Outfit, und Karl August Vögler, als zeitlos dahinfließende Taftaha (Bach in Großentaft, heutiger Name Taft), machten ihre Sache mehr als gut. Sie präsentierten vier spannende Stunden Geschichtsunterricht, teilweise in Quizform. Für jede richtig beantwortete Frage spendete die Raiffeisenbank 50 Euro. So kamen 500 Euro für das Kinderhospiz „Kleine Helden“ in Hünfeld zusammen. Und das Publikum war immer eingebunden und durfte mitraten oder -singen.

Was Großentaft weltweit so einzigartig macht, ist die Anordnung der neun gleichförmigen Basaltkuppen rund um das Dorf, „Hessisches Kegelspiel“ genannt. Diese Kuppen sind durch Verwitterung der Reste ehemaliger Vulkane (vor 20 Millionen Jahre aktiv) entstanden.

Keltische Siedlung

Sicher ist, dass es schon vor dem Jahr 815 Ansiedlungen in dieser Gegend gab. Das belegen unter anderem Funde, die auf eine keltische Siedlung auf dem Kleinberg hinweisen. Auswertungen von Grabhügeln am Stallberg deuten in die Bronzezeit (2200 bis 800 v. Chr.). Bei Bauarbeiten in der Kirche Großentaft entdeckte man 1971 drei Meter unter dem Fußboden ein geschlossenes Gräberfeld. Die Körper der Beerdigten fand man in Hockstellung, die Köpfe mit einer Tonschale bedeckt. Diese Bestattungen haben lange vor der Zeitenwende stattgefunden und deuten auf eine heidnische Kultstätte hin.

Hintergrund

Von Christa Desoi

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