Wochenendporträt: Erik Grösch aus Rhina ist Metal-Musiker und Künstler

„Eine Lebenseinstellung“

Ohne Musik geht es nicht: Erik Grösch aus Rhina ist Gitarrist in der Metal-Band „Mekong Delta“. Über 20 Gitarren hat er zu Hause, das weiße Exemplar aus Holz ist eine elektrische Konzertgitarre und ein Unikat. Foto: Maaz

Rhina. Lange Haare, schwarze T-Shirts mit düsteren Motiven, Tätowierungen: „Heavy Metal ist nicht nur Musik, sondern eine Lebenseinstellung“, sagt Erik Grösch mit einem Lächeln auf den Lippen. Der 46-Jährige aus Rhina weiß, wovon er spricht, denn Musik bestimmt sein Leben.

Grösch ist Gitarrist in der Trash- und Progressive-Metal-Band „Mekong Delta“, mit der er weltweit Konzerte spielt, und in weiteren Bands aktiv. Er ist Musiklehrer und verdient sein Geld als Toningenieur bei Liveauftritten und im Studio. Seine Frau hat er ebenfalls „in der Szene“ kennengelernt. „Vor langer Zeit war sie die Freundin unseres damaligen Schlagzeugers“, verrät der 46-Jährige schmunzelnd.

Unterwegs in Europa

Zur Musik ist Grösch schon in jungen Jahren gekommen. „Mit der Gitarre meines Vaters hat es angefangen“, erzählt Grösch. Einige Erbstücke hat er aufbewahrt, insgesamt hat der Sammler über 20 Gitarren zu Hause. „Ich bin kompletter Autodidakt“, sagt Grösch. Schon in der Schulband war es ihm wichtig, eigene Musik zu machen. „Wir haben nie Songs gecovert.“

Zu „Mekong Delta“, die es seit 1985 in wechselnden Besetzungen gibt, kam Grösch 1993 zunächst als Toningenieur, nachdem er im Jahr zuvor in Fulda im Vorprogramm der Band aufgetreten war. 2007 stieg er als Musiker ein, 2014 erschien das jüngste Studioalbum „In a Mirror Darkly“. Zwar hat die Band, die ihre Glanzzeiten Ende der 80er-, Anfang der 90er-Jahre erlebte, derzeit nicht mehr als zwei, drei Auftritte im Jahr; diese führen Grösch allerdings quer durch Europa. Tschechien, Litauen, Polen, Norwegen, Griechenland und die Türkei sind nur einige Stationen.

Der Höhepunkt sei 2011 der Auftritt beim Hellfest in Frankreich mit mehreren zehntausend Besuchern gewesen, wo als Headliner die Scorpions und Judas Priest auf der Bühne standen. „Es ist toll, andere Länder und Kulturen kennen zu lernen“, sagt der 46-Jährige. „Wir haben weltweit Fans.“ Hardcorefans, denn auf ihren komplexen Musikstil müsse man sich durchaus erstmal einlassen. Metal ist für viele einfach nur laut, ein Vorurteil das Grösch schnell ausräumt: „Gerade das schnelle Spiel ist sehr anspruchsvoll. In der Szene gibt es viele technisch wirklich sehr gute Musiker.“ Auf der Bühne steht Grösch immer noch gerne, auch wenn die Zeiten als Rampensau vorbei seien. „Die kreativen Prozesse dahinter sind mir allerdings wichtiger“, betont er.

Dabei ist Grösch nicht nur als Musiker kreativ, sondern auch als Künstler. Zahlreiche selbst gemalte Bilder zieren das Haus der Familie in Rhina, im Tonstudio sind ebenfalls einige von Gröschs Werken zu finden. In Zukunft möchte der 46-Jährige beides verbinden. Konkrete Ideen dazu gibt es bereits.

Es muss übrigens auch nicht immer nur Metal sein. „Im Auto höre ich immer klassische Musik“, verrät der Musiker, der sich für die Klangfarben Mozarts und Beethovens interessiert. Auf Geburtstagen ist der Rhinaer zudem schon mit Spaßmusik aufgetreten „Bei Musikern ist es wie bei Schreinern“, erklärt Grösch. „Der Schreiner macht ja auch nicht nur Türen.“

Von Nadine Maaz

Kommentare