Windkraft in Stärklos wird zum Zankapfel – Entscheidung über Vertrag wurde vertagt

Windkraft in Stärklos: Wer bekommt wieviel?

Wehrda. Die Windkraft-Pläne in Stärklos waren das beherrschende Thema in der Sitzung der Haunetaler Gemeindevertreter am Dienstagabend in Wehrda.

Auf der Tagesordnung standen der Abschluss eines Pachtvertrags zwischen der Marktgemeinde und dem Gemeindenutznießerwald Stärklos sowie ein Gestattungsvertrag zwischen der Gemeinde und der Juwi Energieprojekte GmbH, die den Bau im Vorranggebiet Hef_045 plant (wir berichteten bereits). Beiden Punkten erteilten die Kommunalpolitiker jedoch zunächst eine Absage.

Knackpunkt und Zankapfel ist die Frage, wer in welcher Höhe von der Anlage profitiert und ob die Erzeugung von Windenergie überhaupt unter die wirtschaftlichen Nutzungsbestimmungen fällt.

Eigentümer des Grundstücks ist die Marktgemeinde, das Nutz- und Fruchtziehungsrecht aber haben seit 1957 die Mitglieder der Waldgemeinschaft, deren Vorsitzender Fritz Krauser (Mitglied im Gemeindevorstand) ist. Die Gemeinde könnte ein Windrad errichten lassen, der Ertrag daraus steht jedoch den Nutznießern zu, erläuterte Wolfgang Schmitt (SPD) vom Gemeindevorstand, der sich gemeinsam mit Karin Wagner-Pilot (CDU) in die laut Bürgermeister Gerd Lang schwierigen Verhandlungen eingebracht hat.

Der Gemeinde als einem von insgesamt 24 Nutzern stünde demnach nur ein 1/24 zu, man habe sich aber bereits auf eine Verteilung von etwa 40/60 geeinigt. Das allerdings ist manchem Gemeindevertreter zu wenig, zudem stehen 10 000 Euro Pacht im Raum.

Lang sprach von rund einer Million Euro für die Gemeinde über knapp 30 Jahre und warnte davor, im schlechtesten Fall leer auszugehen, denn „die Anlagen werden kommen“. Während der Beratung und Beschlussfassung musste der Verwaltungschef wegen widerstreitender Interessen die Sitzung allerdings verlassen. Denn er und seine Frau gehören auch zu den Nutznießern.

Scharfe Kritik am Bürgermeister übte der CDU-Fraktionsvorsitzende Andreas Kimpel. Er warf ihm vor, Einfluss zu nehmen, den Gemeindevertretern den Schwarzen Peter zuzuschieben und diese nicht ausreichend informiert zu haben. Kimpel sprach sich dafür aus, noch einmal auf die Waldgemeinschaft zuzugehen, um ein möglicherweise besseres Angebot auszuhandeln, etwa für die Pacht. „Aber ohne Kompromiss geht es nicht“, so Kimpel. „Es geht nur gemeinsam“, meinte auch Wolfgang Schmitt

Nach einer langen Diskussion und einer Sitzungsunterbrechung stimmten bis auf Frank Wiegand (SPD) schließlich alle für den Antrag. Wiegand sprach sich für ein komplett windkraftfreies Haunetal aus. Der Gemeindvorstand soll nun noch einmal mit der Gemeinschaft verhandeln. Das Thema wird in der nächsten Sitzung erneut beraten.

Einer der am Dienstag anwesenden Nutznießer nannte die 40/60-Regelung entgegenkommend. Er fürchte zudem, dass am Ende keiner was davon habe – nämlich dann, wenn Juwi anderswo baue, etwa auf Hessen-Forst-Gebiet.

Mehr lesen Sie in der HZ am Donnerstag.

Von Nadine Maaz

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