Die Eiterfelderin Paula Hohmann ist 90 Jahre alt und steht noch fest im Berufsleben

Aufstehen um halb drei

Paula Hohmann lebt nach dem Motto: „Ich nehme es, wie es kommt.“ Foto: Manuela Henkel

Eiterfeld. Paula Hohmann aus Eiterfeld hat gerade ihren 90. Geburtstag gefeiert – aber von Ruhestand kann bei ihr keine Rede sein. Denn die Eiterfelderin arbeitet immer noch in dem Betrieb, den ihr Cousin gegründet hat.

Seit einem dreiviertel Jahrhundert steht Paula Hohmann, die alle liebevoll „Tante Paula“ nennen, im Berufsleben. Davon ist die Jubilarin seit 53 Jahren im Büro der Straßenbaufirma Giebel in Eiterfeld beschäftigt, sie ist die „gute Seele des Hauses“.

Während andere noch tief und fest schlafen, lebt Paula Hohmann nach dem Motto: „Morgenstund’ hat Gold im Mund“. „Ich stehe um 2.30 Uhr auf, frühstücke in Ruhe, lese und bringe meine Wohnung in Ordnung“, erzählt die Jubilarin. Für die 90-Jährige sind Regelmäßigkeit und Ruhe der beste Start in einen guten Tag. Um 5.30 Uhr wird sie von einem Kollegen abgeholt und zur Arbeit gefahren.

Schneiderin gelernt

Auf ihrem Schreibtisch steht ein moderner Computer, es stapeln sich Zeitungen und Ausschreibungsunterlagen, das Telefon klingelt, und Paula Hohmann hat jeden Tag bis 17 Uhr gut zu tun.

Ursprünglich hatte sie Schneiderin gelernt. Nach dem Abschluss der Volksschule in Eiterfeld besuchte sie in den 30er-Jahren die Berufsschule in Bad Hersfeld. „Für junge Frauen war eine Ausbildung damals schon etwas ganz Besonderes“, erklärt die 90-Jährige. Bei einer Schneidermeisterin in Schenklengsfeld lernte sie den Umgang mit Nadel und Faden.

Nach der Ausbildung wurde Paula Hohmann für eineinhalb Jahre zum Arbeitsdienst in den Odenwald eingezogen und kam anschließend zum Kriegshilfsdienst an den Hamburger Flughafen. Später wurde sie nach Düsseldorf verlegt, wo man sie bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges beim Nachrichtendienst einsetzte. „Nach 1945 habe ich in Eiterfeld als Schneiderin weitergearbeitet“, erzählt sie.

Schon seit früher Kindheit besteht ein enger Kontakt zur Familie ihres Cousins Emil Giebel. Dieser hatte nach dem Krieg einen Fuhr- und Straßenbaubetrieb gegründet. Als seine Frau 1960 das dritte Kind erwartete, bat er seine Cousine um Mithilfe im Unternehmen. In mehr als 50 Jahren erlebte Paula Hohmann, wie sich der einstige Vier-Mann-Betrieb zu einem der drei größten Tiefbaubetriebe in Nordhessen mit über 300 Beschäftigten entwickelte. „Ich bin froh, dass Paula uns so tatkräftig unterstützt hat“, sagt Emil Giebel heute.

Der inzwischen 92-Jährige holt seine Cousine jeden Tag mit dem Auto zum gemeinsamen Mittagessen ab. „Nach dem frühen und sehr plötzlichen Tod meiner Eltern und meines Bruders habe ich hier eine neue Familie gefunden, die mir Halt gegeben hat“, sagt Paula Hohmann. Juniorchef Heribert Giebel ist „wie ihr eigener Sohn.“

Die große Leidenschaft der 90-Jährigen sind Bücher. Besonders interessiert sie sich für historische Romane und kirchliche Abhandlungen. „Der Glaube ist ein wichtiger Halt in meinem Leben“, betont Paula Hohmann. Und: „Wer rastet, der rostet“, ist sie sich sicher. „Wenn ich zu Hause rumsitzen würde, wäre ich schon längst gestorben!“ Die Arbeit im Büro macht ihr großen Spaß, hält sie geistig fit, und sie schätzt die vielen Gespräche und Begegnungen.

In ihrem Alter lässt sie es sich auch nicht nehmen, jeden Samstag zum Friseur zu gehen. „Die Konkurrenz ist eben groß“, sagt die lebenslustige Dame. „Vielleicht werde ich ja noch 100“, philosophiert sie. „Ich nehme es, wie es kommt.“

Von Manuela Henkel

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