Brand in Neukirchen: Flammen zerstören einen Ort voll schöner Erinnerungen

Angst am frühen Morgen

Nicht mehr viel übrig ist von dem unbewohnten Fachwerkhaus in Neukirchen, das am frühen Donnerstagmorgen brannte. In dem Haus war zuletzt eine Pizzeria untergebracht, das Nebengebäude wurde früher als Tanzsaal genutzt. Fotos: Maaz

Neukirchen. „Ich dachte, ich sehe mein Haus nie wieder. All die Fotoalben und die anderen Erinnerungsstücke...“ Noch immer sichtlich geschockt berichtet die direkte Nachbarin des abgebrannten Fachwerkhauses im Ortskern von Neukirchen einige Stunden später mit Tränen in den Augen von den dramatischen Erlebnissen am frühen Morgen. Aus dem Gebäude scheint immer noch Qualm aufzusteigen; es ist aber lediglich Wasserdampf.

Superleistung der Feuerwehr

Feuerwehr und Polizei vor dem ausgebrannten „Skelett“.

Sie habe zuerst die Sirenen gehört, sagt die Nachbarin, und erst beim Blick aus dem Fenster festgestellt, dass aus dem Gebäude nur wenige Meter entfernt Flammen aus dem Dachstuhl schlugen. „Ich habe meine Mutter geweckt, wir haben uns schnell angezogen und sind raus. Wir hatten Angst.“ Auch die Autos habe sie noch schnell weggefahren. „Wir können froh sein, dass wir unsere Feuerwehr haben, die so schnell vor Ort war. Das war eine super Leistung“, lobt die Anwohnerin die Arbeit der Brandbekämpfer. Sie überlegt nun, der Feuerwehr Neukirchen beizutreten, um deren Arbeit zumindest finanziell zu unterstützen. „Erst wenn man selbst betroffen ist, merkt man, wie wichtig die Arbeit der freiwilligen Helfer tatsächlich ist.“
Aber auch von der schnellen Nachbarschaftshilfe ist sie gerührt. „Der Zusammenhalt auf dem Dorf ist toll.“ Schon kurz nachdem das Feuer entdeckt worden war, kamen die Ersten mit Kaffee vorbei. Mitbürger aus Mauers, die selbst schon einen Brand erlebt hätten, boten für den Fall der Fälle gleich eine Wohnung an.

Die Hilfsbereitschaft der Haunetaler Bürger bekamen auch die vielen Einsatzkräfte zu spüren. Sofort wurden heiße Getränke gebracht und Werner Fürstenberg, Inhaber des Edeka in Neukirchen, der früher selbst in dem nun ausgebrannten Haus gelebt hatte, organisierte noch vor Ladenöffnung belegte Brötchen. Im Gemeindehaus wurde eine Verpflegungsstation eingerichtet, in der es am Mittag Gulaschsuppe für alle gab. Auch Bürgermeister Stefan Euler war schon am frühen Morgen vor Ort gewesen, viele Bürger schauten sich im Laufe des Tages das ganze Ausmaß des Brandes an.

Großfeuer vernichtet Fachwerkhaus in Neukirchen

Auch Pfarrer Thomas Funk wurde als Nachbar gegen 4 Uhr von den Sirenen geweckt. „Ich kenne viele ältere Paare aus Haunetal, die sich hier im Tanzsaal kennengelernt haben. Deren schöne Erinnerungen an diesen Ort sind nun in Flammen aufgegangen“, sagt Funk. Das Fachwerkgebäude stammt laut Anwohnern aus dem 17. Jahrhundert, das Nebengebäude, in dem früher der Tanzsaal und später wieder eine Disco betrieben wurden, soll im Jahr 1937 gebaut worden sein.

Ermittlungen dauern an

Heruntergestürzte Dachbalken versperrten noch gestern Mittag den Weg zum Pfarrhaus.

Hinweise auf die Brandursachen wird es erst in den kommenden Tagen geben, da die Ermittler der Kriminalpolizei Hersfeld-Rotenburg das Gebäude wegen der Hitzeentwicklung und Einsturzgefahr noch nicht betreten konnten. Nach ersten Schätzungen beträgt der Schaden 200 000 bis 300 000 Euro. Der Besitzer des seit gut einem Jahr leerstehenden Hauses, in dem zuletzt eine Pizzeria betrieben wurde, soll sich derzeit im Ausland aufhalten.
Da es beim Ausbruch des Feuers windstill war, hätten die benachbarten Gebäude vor den Flammen geschützt werden können, erklärt Reiner Göbel, Wehrführer der Feuerwehr Neukirchen. Probleme habe es anfangs mit dem Löschwasser gegeben, da eine lange Wegstrecke bis zur Haune gelegt werden musste und sehr viel Wasser zum Löschen benötigt worden sei.

Von Nadine Maaz

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