Vier junge Männer aus Hauneck und Hünfeld nehmen an Orient-Rallye teil

Vom Allgäu nach Baku

Mit Vollgas dabei: (von links) Simon Stock, Alexander Rommel, Benjamin Rommel, Sebastian Richter. Foto: Karl-Heinz Burkhardt

Hünfeld. Womit beginnen heutzutage Abenteuer? Bei vier jungen Männern aus Hauneck und dem Hünfelder Land gab tatsächlich ein Buch den Ausschlag. Jetzt wartet eine aberwitzige Rallye auf sie: unter dem Motto „Unser Car für Baku“ mit fast schrottreifen Kisten vom Allgäu in den Orient. Am Samstag sind sie losgedüst.

Zwei Jahre ist es her, dass Sebastian Richter (28) aus Mackenzell von seiner Freundin ein Buch geschenkt bekam, das hundert moderne Abenteuer vorstellt. Ein Vorschlag hatte es ihm sofort angetan: die Allgäu-Orient-Rallye: vom bayerischen Oberhausen nach Baku in Aserbaidschan. 6500 Kilometer, acht Ländergrenzen, kein Navigationsgerät, keine Autobahnen, mindestens neun Stunden Fahrtzeit am Tag - und bestehen darf man dies alles nur mit Autos, die älter als 20 Jahre oder nicht mehr wert als 1111,11 Euro sind.

Sebastian ließ die Idee nicht los, und er steckte auch seinen Mitbewohner Benjamin Rommel (31) aus dem Haunecker Minidorf Bodes an. Der holte seinen Zwillingsbruder Alexander und den gemeinsamen Kumpel Simon Stock (25) aus Hünfeld mit ins Boot - beziehungsweise mit in die klapprige Kiste.

Doch zunächst wartete eine Enttäuschung auf die vier entschlossenen Abenteurer: Die Startplätze sind auf 111 Teams begrenzt und waren schon nach einer Minute restlos ausgebucht. Doch Sebastian ließ sich nicht entmutigen. Über das Internet fand er Leute, die ihren Platz abgeben wollten: Und Sebastian schlug zu. Da ein Startteam immer aus drei Autos und sechs Mitgliedern bestehen muss, suchten sich die Freunde zwei weitere Rallye-Fans aus Augsburg zur Vervollständigung des Teams. Am 28. April werden sie gemeinsam ab Oberhausen gen Osten starten. Warum machen sie das? „In einem normalen Urlaub kommt man irgendwie nie richtig runter. Aber auf einer solchen Tour ist man völlig raus aus dem Alltag und lebt ganz in der Gegenwart“, glaubt Benjamin. Simon erwartet neben jeder Menge Anstrengung auch viel Spaß und neue Lebenserfahrungen. „Außerdem kommt man in Regionen, in denen man als Mitteleuropäer sonst keinen Urlaub machen würde.“

Schnelligkeit spielt bei der Rallye übrigens keine Rolle: Die Maxime lautet: Am 12. Mai ins Ziel einfahren ist alles. Zwischendurch müssen allerdings mehrere Zwischenziele rechtzeitig erreicht werden. Das erste Wiedersehen mit den anderen Teams soll nach vier Tagen in Istanbul stattfinden. Da aber am Ende ein Siegerteam gekürt wird, sind verschiedene Aufgaben zu bewältigen. Manche sind noch geheim. Was die Jungs schon wissen: In Oberhausen erwartet sie zusätzliches Gepäck. Ihnen wird ein Instrument zugeteilt, das sie sicher bis ans Ziel bringen müssen. Darüber hinaus muss der Beifahrer bis Istanbul ein türkisches Lied auf dem Instrument einstudieren, während der Fahrer dazu singt. Das Siegerteam darf sich in Baku auf einen besonderen Preis freuen: ein Kamel. „Das wird in der Regel vor Ort aber an eine Beduinenfamilie gespendet“, berichten die vier. So langsam wird klar: Ums Gewinnen geht es nicht. Stattdessen ist die Rallye als Beitrag zur Völkerverständigung gedacht. Und dient wohltätigen Zwecken: Die Autos werden in Baku versteigert, das Geld kommt dem World-Food-Programm zugute. Doch bevor es losgehen kann, ist natürlich viel Vorbereitung nötig. Das fängt damit an, dass man seine Lieben von der Idee überzeugen muss. „Meine Mutter hat immer wieder versucht, mich dezent von der Idee abzubringen“, berichtet Simon. Und bei Alexander und seiner Freundin hängt nach etlichen Diskussionen „der Haussegen endlich nicht mehr schief“.

Ihre Autos, zwei Renault Espace mit mehr als 200 000 Kilometern, haben sie extra für die Rallye besorgt und umgebaut. Statt über Rücksitz und Kofferraum verfügen sie nun über eine Pritsche für maximalen Schlafkomfort. Für die richtige Optik wurden die Wagen fachmännisch weiß bepinselt und mit Kühen und Kamelen besprüht - so sind Ziel und Heimat während der Fahrt mit dabei.

Von Viktoria Hahn

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