Sebastian Reinhardt ist Landwirt aus Leidenschaft – und mit Ingenieurs-Titel

Akademiker im Stall

Sebastian Reinhardt ist Landwirt und liebt das Leben in seinem Heimatort Oberweisenborn. Foto: Maaz

Oberweisenborn. Er war in Kanada und in Dänemark, doch am besten gefällt es Sebastian Reinhardt in seinem Heimatort Oberweisenborn. In dem Eiterfelder Ortsteil arbeitet der 26-jährige Landwirt im Familienbetrieb mit, der mindestens in der vierten Generation betrieben wird. Dass er die Ferkelaufzucht mit angeschlossener Mast und Ackerbau einmal übernehmen wird, ist längst ausgemachte Sache. Für Reinhardts Eltern ist das ein echter Glücksfall, bekräftigt dessen Mutter.

In den Beruf ist Reinhardt von klein auf reingewachsen. „Die Ferkel waren meine Babysitter“, erinnert sich der 26-Jährige lachend. Als Jugendlicher habe er später wie selbstverständlich mitangepackt, wenn es im Stall oder auf dem Feld viel zu tun gab, auch wenn die Schulfreunde alle längst im Freibad lagen.

Nach der Schulzeit absolvierte Reinhardt eine landwirtschaftliche Lehre in einem Betrieb in Obersuhl, nach Hause fuhr er in dieser Zeit nur am Wochenende. Nach der Ausbildung ging es dann nach Kanada. In einem Betrieb mit 3500 Sauen arbeitete der Oberweisenborner für fünf Monate als Praktikant mit. „Die Arbeit ist dieselbe, aber die Größenordnung ist eine ganz andere“, so Reinhardt. In der Ferne wollte er sehen, „was andere so machen“ und etwas lernen.

Aber nicht nur im Stall, auch sonst waren die Dimensionen ganz andere als in der Heimat. „Ich bin 75 Kilometer bis zum Einkaufen gefahren“, erinnert sich der 26-Jährige. Auch in Dänemark war Reinhardt für zwei Monate als Praktikant.

An der FH Soest studierte der Junglandwirt von 2009 bis 2012 schließlich Agrarwirtschaft, er darf er sich nun Agraringenieur nennen. Für die Übernahme des Familienbetriebs hätte er das Studium zwar nicht gebraucht, der 26-Jährige wollte aber „etwas in der Hinterhand haben“, außerdem habe er viele Kontakte knüpfen können.

Ohne Laptop geht nichts

Die Landwirtschaft ist heute hochtechnisiert, bei der Bestellung der Felder kommen GPS und das I-Phone zum Einsatz, ohne Laptop geht nichts mehr. Ein wenig Handarbeit ist aber auch noch gefragt, zum Beispiel beim Füttern oder Impfen der Tiere. Auch über sämtliche Gesetze und Verordnungen, die die Landwirtschaft betreffen, muss der Akademiker Bescheid wissen.

Viel Freizeit bleibt Reinhardt nicht, vor allem in der Erntezeit. Dann geht es um 6 Uhr los und „man steht an manchen Tagen um Mitternacht immer noch auf dem Feld.“ Dass jeder Tag anders ist, macht für Sebastian Reinhardt aber auch den Reiz seines Berufs aus.

Unterstützung bekommt er von seiner Verlobten. Diese hat mit seinem Job und dem Leben auf dem Land kein Problem, demnächst werden die beiden Reinhardts Elternhaus auf dem Hof umbauen und gemeinsam dort einziehen. „Es ist einfacher, wenn man jemanden an seiner Seite hat, der das versteht und mitzieht“, freut sich der 26-Jährige.

In einer großen Stadt zu leben, kann sich Reinhardt nicht vorstellen. „Die Menschenmassen mag ich nicht“, stellt er klar, und in Oberweisenborn ist es doch auch schön.

Von Nadine Maaz

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