Fränkisches Theater Schloss Maßbach gastierte mit Goethe-Frühwerk in Eiterfeld

Abgründe tun sich auf

Hier läuft etwas schief. Dementsprechend war das Bühnenbild gestaltet. Selbst der Zuschauer geriet ins Schwanken. Und die verheiratete Sophie (Iris Faber) ist im Zwiespalt. Soll sie sich mit dem Adligen Alcest (Christoph Schulenberger) einlassen? Foto: Desoi

Eiterfeld. Magie und Zeitreise gepackt in poetische Versform brachte das Fränkische Theater Schloss Maßbach mit nach Eiterfeld: „Die Mitschuldigen“ ein Lustspiel von Johann Wolfgang Goethe. Die Zuschauer im gut besuchten Bürgerhaus bedachten die Schauspieler mit viel Applaus.

Richtige Wellenlänge

Das Eiterfelder Publikum bevorzugt die klassischen Stücke und dankt den Schauspieler mit gutem Besuch. Das Frühwerk Goethes „Die Mitschuldigen“ in der Inszenierung und mit einem irritierenden Bühnenbild von Augustinus von Loe lag auf der richtigen Wellenlänge. Inhaltlich geht es um Belange, die heute noch aktuell sind: Menschliche Schwächen werden hoch stilisiert und extrem dargestellt: Ein spielsüchtiger Schwiegersohn, der immer pleite ist. Ein allzu neugieriger Wirt, der seinen Gästen bis in die Taschen und Koffer hinterher spioniert. Die Wirtstochter und des Spielers Ehefrau Sophie, die von einem besseren Leben und der Liebe träumt. Und der einzigen Gast in dem heruntergekommenen Gasthaus: Der adlige Alcest, der es auf die verheiratete Sophie abgesehen hat.

Nur nachts wagen sich die Vier aus ihren Verstecken. Nur heimlich trauen sie sich, moralische Tabus zu brechen. Es offenbaren sich Abgründe. Richtig turbulent wird es, nachdem Alcest sehr viel Geld aus der Tasche gestohlen wird. Eigentlich wollte er doch mit seinem Vermögen Sophie beeindrucken. Ein explosives Konglomerat von allzu menschlichen Schwächen, die da auf der Bühne aufeinanderprallen.

Das könnte alles auch heute passiert sein: Ein Spiel-Süchtiger auf Geldsuche, ein neugieriger Wirt, ein naives Weibchen und ein gerissener Banker treffen aufeinander. Ohne Fernsehen und Internet müssen sie 24 Stunden miteinander verbringen. Ähnliche Konflikte wären vorprogrammiert.

Und auch der Vierzeiler von Goethe ist heute noch hoch aktuell:

„Aber ihr großen Herrn,

ihr habt wohl immer recht.

Ihr wollt mit unserm Gut

nur nach Belieben schalten.

Ihr habet kein Gesetz,

und andre sollen‘s halten?“

Goethe spielte selbst mit

Dieses Lustspiel ist eines der ersten Theaterstücke, die der 20 jährige Goethe in jungen Jahren schrieb. Goethe spielte selbst die Rolle des Alcest im Weimarer „Liebhabertheater“ im Jahr 1777. Leider fand Goethe keinen Verleger, der das Lustspiel drucken wollte. In seinen Memoiren schrieb er: „Denn wie sollten sie einen jungen, namenlosen und noch dazu verwegenen Schriftsteller beurteilen? Schon meine „Mitschuldigen“, auf die ich etwas hielt, hätte ich, als meine Scheu vor der Presse nach und nach verschwand, gern gedruckt geseh‘n; allein ich fand keinen geneigten Verleger.“

Das erinnert spontan an den Hünfelder Konrad Zuse. Auch er fand keinen Platz für sein erstes Fabrikgelände in Hünfeld. Schließlich wurde ihm ein Gelände in Neukirchen angeboten. Heute schmückt sich die Stadt Hünfeld mit dem Titel „Konrad Zuse Stadt“.

Von Christa Desoi

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