Pferdeversteigerung auf der Reitanlage Litz – Über 40 Pferde und 500 Besucher

Für 8000 Euro in die Alpen

Pferdemarkt in Eiterfeld: „Summer of 69“, der vierjährige – von Nikidam du Chateau und Corvette abstammende – parcourserfahrene Wallach machte eine gute Figur. Trotzdem war er für 2000 Euro vergleichsweise preiswert zu haben. Fotos: Apel

EITERFELD. „In Petersburg ist Pferdemarkt, da muss ein Mann doch hin!“, trällerte Katja Ebstein vor vielen Jahren. Ähnlich wie damals, aber mit starker weiblicher Beteiligung, ging es am Sonntagnachmittag auch in Eiterfeld zu. Reitstallbesitzer Ralf Litz samt Team hatte zur ersten Pferdeauktion im Hessischen Kegelspiel eingeladen.

Die große Chance

„The Big Chance“ steht auf dem Auktionsprospekt. Im Angebot sind über 40 Pferde, gut gepflegt, gestriegelt, tierärztlich untersucht und schwarz auf weiß nach Geburtsjahr, Abstammung und Besonderheiten beschrieben. Jede Menge dunkler Karossen und der eine oder andere Anhänger sind rund um die Auktionshalle geparkt, und immer noch drängt ein großer Strom von Interessenten am Auktionsbüro vorbei zu den Ställen, um einen prüfenden Blick auf den ins Auge gefassten Wallach oder die gewünschte Stute zu werfen.

In der Reithalle ist alles ein wenig anders als sonst. Die Reitbahn, die die Bühne für die Pferde sein wird, ist mit aufgeständerten, fensterartigen Gittern abgetrennt. Das Publikum sitzt auf der Tribüne und auf den darunter in lockerer L-Form aufgebauten Bänken. Aber nur die wenigsten der gut 500 Interessenten sitzen, die meisten stehen und warten gespannt auf das Erscheinen des Auktionators.

„Oh happy Day“ dröhnt es aus den Lautsprechern, Fabian Scholz, der die Auktion mit seinen netten jungen Damen managt, begrüßt die sogar aus der Schweiz und aus England angereisten Gäste, Ralf Litz wünscht allen eine schöne Auktion.

Dann ist Volker Raulf da, der Mann mit den exzellenten Kontakten in die internationale Pferdeszene, der Star unter den Auktionatoren, der Herr der nächsten zwei Stunden, die rheinische Frohnatur. Gestern noch bei einer Fohlenversteigerung in der Schweiz, heute in Eiterfeld, stellt er fest: „Seit zwei Stunden weiß ich: Hier ist der Nabel der Welt!“ Nichtsdestotrotz verweist er auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen und dann geht es los: Marianne Rosenberg röhrt „Er gehört zu mir!“.

Es ist die Ankündigung für den fünfjährigen Wallach „Wir gehören zusammen“. Auf Video-Leinwand kann man seine Vorzüge bestaunen und noch ist er für 1200 Euro – das Mindestgebot für alle Pferde – zu haben. Nicht lange, denn über 1400-1600-1800-2000-2500 klettert der Preis schnell auf 6000 Euro. „Die habe ich!“, ruft Raulf, „zum Ersten-Ersten-Ersten, zum Zweiten, 7000, 7 ½, 8000, zum Ersten“, er spricht immer schneller, er beäugt die Interessenten, die zuletzt geboten haben, er fuchtelt energisch mit dem Hammer hin und her – und dann schlägt er zu: „Bitteschön. Für Sie, für 8000 Euro ab in die Schweiz!“

So geht es noch 43 Pferde weiter. Jürgen Marcus kündigt die von Aurelio abstammende Stute „Neue Liebe“ an, die für 7500 Euro verkauft wird („Aber die Reiterin bleibt hier!“), Roy Black die von Nurjev gedeckte Schimmelstute „Ganz in Weiß“, die für 10 000 Euro weggeht. Ralf Litz hat immer wieder telefonisch Mitbietende am Handy.

So mancher Käufer macht offensichtlich auch ein Schnäppchen. Sogar die junge Dame, die für 17 000 Euro den sechsjährigen Wallach „Flieger“ ersteigert, ist happy. „Oh wie ist das schön“, röhrt Mickie Krause und Volker Raulf stellt lächelnd fest: „Sie schaffen es bis zum Tatort!“.

Von Wilfried Apel

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