600 Hektar für die Natur

Hessen Forst weist neue Kernflächen für Tiere und Pflanzen am Landecker aus

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Natur hautnah: Die Grünen-Landtagsabgeordnete Siegrid Erfurth, Martina Selzer vom Grünen-Kreisverband und Umweltministerin Priska Hinz (vorne, von links) zählen die Jahresringe eines Eibenstamms. Das Holz der Nadelbäume, die am Hang des Landeckers gedeihen, wurde im Mittelalter zum Bau von Pfeil und Bogen verwendet.

Ausbach/Hillartshausen. 14 Orchideenarten gedeihen am Landecker Berg, einem der nördlichsten Rhön-Ausläufern zwischen den Gemeinden Schenklengsfeld, Friedewald und Hohenroda. Auch zahlreiche Vogel- und Fledermausarten fühlen sich hier wohl.

Vor wenigen Wochen hat Hessen Forst in diesem Naturschutzgebiet weitere sogenannte Kernflächen ausgewiesen – also vollständig aus der Bewirtschaftung genommen. Während ihrer Sommertour hat Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) gemeinsam mit Politikern, Vertretern von Hessen Forst und Naturschutzverbänden das neue Schutzgebiet besucht. Auf mehr als 25 500 Hektar wurden die Kernflächen im hessischen Staatswald ausgeweitet – was etwa acht Prozent der Landesfläche entspricht.

Durch die neuerliche Ausweisung ist am Landecker eine der größten Kernflächen in Hessen entstanden, welche zudem mit dem benachbarten Dreienberg als Kernzone des Biospährenreservats Rhön, vernetzt ist. Auf 600 Hektar wachsen 150 Jahre alte Buchen. „Mehr noch als Reh und Hirsch nützen die Kernflächen den Destruenten, also Kleinstlebewesen, die organische Substanzen abbauen“, erläuterte Kersten Eidam vom Forstamt Bad Hersfeld während des Rundgangs. Von Totholz und umgestürzten Bäumen, die nicht mehr entfernt werden, gehen aber auch Gefahren für Waldbesucher aus. Eidam regte an, mit Schildern auf diese Gefahren hinzuweisen. Das freie Betretungsrecht gelte weiterhin, erläuterte Michael Gerst, Landesbetriebsleiter von Hessen Forst. Ganz ohne Eingriffe werde es auch künftig nicht gehen: So sollen Wege passierbar bleiben und bei Borkenkäferbefall in Nadelholzbeständen im Umkreis von 500 Metern zum Wirtschaftswald eingegriffen werden. Außerdem wird weiter gejagt.

„Wir leisten einen Beitrag zur Umsetzung der hessischen und der nationalen Biodiversitätsstrategie“, sagte Umweltministerin Hinz, bevor sie eine Informationstafel zu den neuen Kernflächen enthüllte.

Dieter Siebold vom Nabu Dreienberg regte an, den nicht mehr bewirtschafteten Landecker auch als rechtlich höhergestellte Kernzone des Biosphärenreservats Rhön einzustufen. „Wir nehmen das als Anregung mit“, kommentierte die Ministerin.

Und natürlich ging es bei dem Besuch der Ministerin auch um den größten Arbeitgeber K+S, wenn auch nur am Rande. Am Wandererparkplatz zwischen Ausbach und Hillartshausen wurde Hinz von einem Transparent mit der Aufschrift „Wenn das Kaliwerk Werra stirbt, stirbt auch die Region“ empfangen. Auch der heimische CDU-Bundestagsabgeordnete Helmut Heiderich mahnte in Sachen Versenkerlaubnis eine baldige Entscheidung an.

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