Hagen Schaake baut erstmals Öllein an

Breitenbacher Landwirt setzt auf Öl

Was wächst denn da? Hagen Schaake baut in Breitenbach/H. in diesem Jahr zum ersten Mal Öllein an. Vor allem am frühen Morgen sind die zartblauen Blüten auf dem Feld zu sehen. Der Landwirt ist immer auf der Suche nach einer Nische, nach Produkten, die nicht alle haben, in der Hoffnung, dafür auskömmliche Preise erzielen zu können. Fotos: Zacharias, Schaake

Breitenbach/H. Ein Meer von zartblauen Blüten wogt vor allem in den frühen Morgenstunden auf dem Feld oberhalb von Breitenbach am Herzberg. Dort baut Hagen Schaake auf einer Fläche von drei Hektar in diesem Jahr zum ersten Mal Öllein an. Für den experimentierfreudigen Landwirt ist das ein Experiment mit ungewissem Ausgang.

Erfahrungen mit der Ölpflanze gibt es in der Region nämlich kaum. Seine Informationen hat Hagen Schaake vor allem im Internet zusammengesucht. Schon allein die Bestellung des Saatguts war eine Herausforderung. Leinsamen waren bei den Genossenschaften vor Ort nicht zu bekommen. „Die Samen stammen aus Frankreich“, erzählt Schaake.

Ausgesät hat er die Leinsamen Mitte März. Die Pflanzen sind gut gewachsen und stehen seit Ende Juni in voller Blüte. Die Blüten sind vor allem in den frühen Morgenstunden geöffnet.

Ein Problem hat er bereits festgestellt: „Die Pflanze ist sehr wackelig auf den Beinen. Die kräftigen Regengüsse der vergangenen Tage haben viele Pflanzen umgelegt.“

Nach einer Vegetationszeit von 100 bis 120 Tagen, so hat er seinen Informationsquellen entnommen, kann der Öllein dann geerntet werden. Sicherheitshalber hat er sich für seinen Mähdrescher schon neue Messer gekauft. Denn Öllein ist eine Faserpflanze. Während aus den Samen Öl gepresst wird, kann aus den Stängeln Flachs für die Leinenproduktion hergestellt werden. Von einem Kollegen hat er gehört, dass der sich seinen Mähdrescher mit Öllein ruiniert hat. Deshalb hat Schaake mit dem neuen Messer vorgesorgt und will die Ernte entsprechend vorsichtig angehen.

Wie er die geernteten Leinsamen dann reinigt, den gewünschten Feuchtigkeitsgrad von maximal neun Prozent erzielt und ihn dann lagert, das weiß Schaake noch nicht genau. Er ist jedoch zuversichtlich, dass er das noch herausfinden wird.

Abnehmer Ölmanufaktur

Auf jeden Fall hat er bereits einen Abnehmer. Die Ölmanufaktur Waldhessen von Anette Herbst in Bad Hersfeld habe Bedarf an regional produziertem Leinsamen, berichtet Schaake. Anette Herbst war es auch, die Schaake überhaupt erst auf die Idee brachte, Öllein anzubauen.

Mit ihrem Vorschlag stieß sie auf offene Ohren. Hagen Schaake war schon immer experimentierfreudig. In den 1980er Jahren war er einer der ersten in Deutschland, der Lamas hielt. „Das war eine wunderschöne Zeit“, erinnert er sich etwas wehmütig.

Neben Gerste, Weizen, Roggen, Hafer, Mais, Raps und Kartoffeln baut er seit einiger Zeit auch Lupinen als Eiweißfutter an. Er hat auch schon versucht, daraus selbst Tofu herzustellen. Ihm sei das nicht gelungen, einem seiner Kunden aber schon, erzählt Schaake.

„Ich versuche immer eine Nische zu finden“, sagt der Landwirt. Die Preise für die herkömmlichen landwirtschaftlichen Produkte seien im Keller. Deshalb hofft er, dass seine Experimentierfreude mit höheren Erträgen belohnt wird. Er weiß aber auch, dass er jederzeit scheitern kann. Doch das hält Hagen Schaake nicht auf. Er ist weiter auf der Suche nach neuen Ideen.

Öllein

Beim Lein (Flachs) unterscheidet man zwischen Öl- und Faserlein. Die Pflanze wächst 40 bis 80 Zentimeter hoch und ist im oberen Drittel verzweigt. Die Blühdauer ist kurz, und obwohl er stark von Bienen beflogen wird, ist der Lein vorwiegend Selbstbestäuber. Lein ist anpassungsfähig und gedeiht auf allen getreidefähigen Kulturböden Die Leinsamen sind sehr ergiebig. Drei Kilogramm Öllein ergeben einen Liter Leinöl. Frisch und schonend gepresstes Leinöl enthält weiter über 50 Prozent der wertvollen Alpha-Linolensäure, eine pflanzliche Form der Omega-3-Fettsäuren.

Quellen: Anbau- und Kulturanleitung Öllein, Öl-Manufaktur Waldhessen

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