Strom-Masten verschwinden - Mehr Versorgungssicherheit

Energieversorger lässt bei Breitenbach/H. 1,25 Kilometer Erdkabel verlegen

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Mit Netzplan am Graben: (von links) Volker Dietz von der Baufirma Gringel, Jens Koberling (Regio-Meister Energienetz Mitte), Bürgermeister Volker Jaritz, Maschinist Christian Frühbote und EAM-Projektleiter Reinhold Steinberger begutachten bei Breitenbach die Arbeit der Spezialfräse. In dem entstandenen Graben werden in den kommenden Wochen Erdkabel verlegt.

Breitenbach/H. Christian Frühbote arbeitet sich rückwärts voran. Während sich sein Fahrzeug auf Raupenketten langsam vorwärts schiebt, ist der Blick des Maschinisten meist nach hinten gerichtet. Dort fressen sich die an einer rundlaufenden Kette montierten Fräskronen in den Boden eines Feldweges. Das Spezialwerkzeug arbeitet wie eine überdimensionierte Kettensäge.

Auf etwa 1,25 Kilometern Länge lässt die Energienetz Mitte, eine Tochter des kommunalen Energieversorgers EAM, zwischen dem Solarpark und der Breitenbacher Kläranlage eine 20kV-Mittelspannungs-Freileitung durch ein 20kV-Erdkabel und ein 400 Meter langes 1kV Niederspannungskabel ersetzen. Die Fräse formt dafür einen etwa einen Meter tiefen Graben und ist dabei – abhängig von der Beschaffenheit des Bodens – deutlich schneller und effektiver als ein herkömmlicher Bagger.

Leerrohre aus Kunststoff

In den kommenden Wochen verlegen Mitarbeiter der Baufirma Gringel aus Schwalmstadt Leerrohre aus Kunststoff und schütten den Graben anschließend mit dem Erdaushub, den die Fräse neben dem Graben zu einem Damm aufgeschüttet hat, wieder zu. Mit Druckluft werden anschließend Zugseile durch die Leerrohre geschossen, an denen schließlich die eigentlichen Stromkabel befestigt und eingezogen werden. Dazu müssten die Rohre nur an wenigen Punkten noch einmal freigelegt werden, erläutert Jens Koberling, Regiomeister bei Energienetz Mitte.

Wie auch andernorts ersetzt der Energieversorger bei Breitenbach in mehreren Bauabschnitten die bisherigen Freileitungen durch Erdkabel. Auf der Strecke zwischen Solarpark und Kläranlage, wo die Stromleitung dem Verlauf eines Feldwegs folgend auch die Bahnstrecke unterquert, investiert das Unternehmen etwa 150 000 Euro.

Das Verlegen der Erdkabel sei zwar teurer als neue Freileitungen, im Mittelspannungs- und Ortsnetz werde das jedoch durch zahlreiche Vorteile ausgeglichen, verdeutlicht Projektleiter Reinhold Steinberger. So seien die Stromleitungen bei Gewitter weniger durch Blitzeinschlag und umstürzende Bäume gefährdet und außerdem weniger wartungsintensiv. Bei der Erneuerung ihres Stromnetzes setze die EAM-Gruppe deshalb vorrangig Erdkabel ein. Mit dem Ausbau bei Breitenbach soll das Netz zudem fit gemacht werden für die gestiegenen Strommengen aus Photovoltaikanlagen. Eine neu errichtete Trafostation dient als zusätzlicher Einspeisepunkt für Strom aus erneuerbaren Energien ins Mittelspannungsnetz.

Neben der höheren Versorgungsqualität habe die Erdverkabelung noch einen weiteren positiven Effekt: Die Strommasten sollen in diesem Bereich aus der Landschaft verschwinden. (jce)

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