Das Burg-Herzberg-Festival bescherte seinen Besuchern ein einzigartiges Wochenende

Perfekte Stimmung

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Breitenbach/H. „Perfekte Tage“ - in Anlehnung an einen Song des im Oktober vergangenen Jahres verstorbenen Lou Reed („Perfect Day“) wählten die Veranstalter des Festivals am Fuße der Burg Herzberg das diesjährige Festival-Motto. Für die Besucher wurde es Wirklichkeit.

Drei Generationen sind mittlerweile auf dem Herzberg-Festival anzutreffen. Doch die, die schon 1968 beim ersten Mal dabei waren, werden weniger. Es sind ihre Kinder und Enkel, die heute das bunte Bild vor der Bühne und entlang der Reihe der Essens- und Verkaufsstände bestimmen.

Der Geist des Festivals

„An die Festivals der letzten sieben oder acht Jahre können wir uns erinnern, aber wir sind nach der Aussage unserer Eltern vom ersten Lebensjahr an dabei“, sagen die beiden Teenager Ronja und Jasmin aus Esslingen. Früher hielten sie sich während der Festivaltage in dem immer wieder liebevoll gestalteten Kinderland auf. Heute entspannen sie sich vorwiegend auf der Wiese vor der Bühne und beobachten die älteren Freaks. Und die Musik? „Unsere Eltern haben uns gut darauf vorbereitet.“

Der „Geist des Festivals“, den diese große Familie, von vielen Hippies genannt, lebt und der sie über alle Generationen verbindet, zeigte sich überall. Wo sonst kann ein Moderator von der Bühne Menschen im Publikum mit „Ach, Du bist ja auch wieder da“ begrüßen? Wo sonst kann der Backstage-Ausweis eines Mitarbeiters verloren gehen und der Finder schleicht sich damit nicht hinter die Bühne, wo er unter den vielen Musikern, Helfern, Busfahrern und Köchen niemals aufgefallen wäre, sondern gibt ihn zurück? Und wo sonst könnte ein Weltstar wie Patti Smith mit ihrem Gitarristen Lenny Kaye eineinhalb Stunden über das Festivalgelände laufen, in den Boutiquen stöbern, Gürtel und ein T-Shirt kaufen, ohne auch nur von einem einzigen Fan bedrängt zu werden? Dabei, so schätzten es viele ein, waren von den 10.500 Festivalbesuchern vermutlich 5000 wegen ihr gekommen.

Videobericht


Nichts vergleichbares

Auch „Locke“ aus Stuttgart, mit Blumen im Haar und durchsichtiger blauer Bluse ganz dem Ideal eines Hippie-Mädchens entsprechend, die bedauert, dass es „so ein schönes Festival bei uns nicht gibt.“ Als Patti Smith an ihnen vorbei geht, freuen sich „Locke“ und ihre Clique, dass es noch Plätze gibt, wo so etwas normal sein kann. Darf man „Locke“ fotografieren? „Du fragst wenigstens, natürlich.“

Zwei Stunden später kam dann der Augenblick, der in die Festivalgeschichte eingehen wird: Patti Smith betritt die Bühne und ein Weltstar, der in den letzten 30 Jahren auf Festivals und in den bekanntesten Konzerthallen der Welt aufgetreten ist, beginnt seinen Auftritt mit den Worten: „Dies ist das Festival mit der schönsten Stimmung, die ich je erlebt habe.“ Und dies wurde am Ende des Konzerts sogar noch getoppt mit den Abschiedsworten: „Danke, dies ist das beste Festival, auf dem wir je gespielt haben.“

Und die Festivalbesucher spürten einmal mehr, was Lou Reed, zeitlebens einer der besten Freunde von Patti Smith, in „Perfect Day“ sang: „Es ist ein großes Vergnügen, wir haben das Wochenende für uns, perfekte Tage.“ Kultur

Von Wilhelm Ditzel

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