Denn sie wissen, dass die Bilder von Protesten aus Athen viele abgeschreckt haben. Wer sich von den Nachrichten über die Eurokrise von einer Reise nach Griechenland abhalten lässt, ist selbst schuld: Es ist billiger, weniger voll, und der Service ist besser denn je.
„Die geben sich jetzt noch mehr Mühe“, sagt Andrea Lentge aus Hamburg, die gerade ihren letzten Urlaubstag am Pool vom „Creta Maris“ in Chersonissos verbringt. „Wir haben erst drei Wochen vorher gebucht und noch einen Frühbucherrabatt bekommen. Und dann haben die sich heute Morgen an der Rezeption sogar nochmal ganz herzlich bei uns bedankt, dass wir gekommen sind.“ Dabei ist es kein Wunder, dass die Griechen eine Charme-Offensive gestartet haben: Denn die deutschen Urlauber bleiben aus.
Das merken auch die Gäste auf Kreta: „Wir hatten das Gefühl, dass wir die einzigen Deutschen im Hotel sind“, erzählt Andrea Hielscher aus Offenburg. Hoteliers wie Nikos Vlassiadis haben darauf reagiert. „Wir wissen, dass Griechenland durch die Proteste ein schlechtes Image bekommen hat. Und wir tun alles, um dieses Image wieder zu verbessern.“
Eine Bucht weiter sitzt Kapitän Angelos Kypreos vor seinem Ausflugsboot im Hafen. Geduldig zeigt er einigen Urlaubern, was es auf der Insel so alles zu sehen gibt. Er hat auch viel Zeit. „Diese Saison ist schlecht, keiner kommt“, sagt der 60-Jährige. „Manche denken, hier sei Krieg oder sowas.“ Was macht er also? Sonderangebote. Normalerweise kostet ein Tagestrip bei ihm 20 Euro, jetzt ist der Preis Verhandlungssache.
Beide wissen: Viele Deutsche haben immer noch die Bilder aus Athen von Protesten gegen die Sparauflagen der EU im Kopf. Diese Einsparungen hatte auch die deutsche Politik vehement eingefordert. Das führte dazu, dass in Athen deutsche Fahnen verbrannt wurden. Einige dürften sich daher fragen: Kann man als Deutscher jetzt noch bedenkenlos Urlaub machen in Griechenland? „Auf jeden Fall“, sagt Andrea Lentge. Wird man da denn als Deutscher nicht schief angesehen? „Überhaupt nicht“, ergänzt ihre Tochter Denise.
Außerhalb der Hotels ist die Krise aber auch auf einer Ferieninsel wie Kreta zu sehen. Es ist wiederum ein gelbes Schild, das auf sie hindeutet: „Zu vermieten“ steht darauf. In Heraklion hängt es inzwischen in den Schaufenstern vieler Geschäfte. „Die kleinen Unternehmer sind alle fertig“, sagt Ladeninhaber Nikos Gonianakis. Wer auf Kreta shoppen geht, sieht die Spuren der Krise. Die Wut der Griechen über sie bekommen die Urlauber aber nicht ab.
Den meisten von ihnen bleiben solche Szenen ohnehin erspart. Das gilt gerade für die Pauschalurlauber, die einen Großteil ihrer Zeit in ihrer Anlage verbringen. „In unserem Hotel ist alles super, ich hab' gar nichts gemerkt“, sagt Nicole aus Ingolstadt. Auch Andrea Lentge will sich von der Eurokrise nicht abschrecken lassen. „Wir kommen nächstes Jahr wieder“, sagt sie. „Egal, ob wir dann in Drachmen oder in Euro zahlen.“
Von Tobias Schormann, dpa
Veranstalter und Hoteliers locken mit Rabatten
Für Griechenland gibt es derzeit günstige Pauschalangebote: Die Veranstalter haben durch die Bank die Preise gesenkt, erklärt Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband. Bis zu 20 Prozent Rabatt verspricht etwa Thomas Cook, Alltours hatte Ende April sogar bis zu 30 Prozent angekündigt. Auch viele griechische Hoteliers versuchten, Urlauber mit Schnäppchen zu locken, ergänzt Panagiotis Skordas vom griechischen Fremdenverkehrsamt. So seien die Zimmer derzeit bis zu 30 Prozent billiger als sonst, etwa auf der Insel Skopelos. Auch viele Geschäfte hätten die Preise gesenkt.


© dpa"Special offer" - dieses Schild verfolgt einen in Chersonissos auf Kreta.
© dpaManos Prinaris kann verstehen, dass die Nachrichten aus Griechenland viele Deutsche abschrecken.
© dpaLeerer und günstiger: In Griechenland bieten viele Hoteliers wie Nikos Vlassiadis derzeit Schnäppchenpreise.
© dpaKapitän Angelos Kypreos spürt die Flaute bei den Buchungen nach Griechenland.



