Einer der Teilnehmer habe mit dem weißen Matchboxauto des Sohnes gespielt und – vielleicht aus Langeweile, vielleicht aus Inspiration – plötzlich mit einem Filzstift das Wort „Beichtmobil“ draufgeschrieben.
So fing alles an. Jetzt sitzt Pater Hermann-Josef in dem zum Campingfahrzeug umgebauten VW Bus, an dessen Heck in großen roten Lettern „Beichtmobil“ steht, das in dieser Form weltweit einmalig ist. Entdeckt hat das katholische Hilfswerk das Wohnmobil in einer Werkstatt, viel umgebaut wurde nichts. Papst Johannes Paul II. hat es kurz vor seinem Tod im März 2005 noch gesegnet.
Immer wieder aber nutzt jemand die spontane Möglichkeit zum Gespräch, und nach ein paar lockeren Sätzen kommt es dann zu einer ernsthaften Konversation. Meist drehe sich dies um „die Großraumfragen Ehe und Familie“, akute Probleme würden angesprochen, aber auch alte Schuld kommt auf den Tisch. Wenn dann der Wunsch zur Beichte geäußert wird, legt sich Pater Hermann-Josef die Stola um, schließt die Vorhänge am Fenster und nimmt das Eingeständnis der Verfehlungen ab, bevor er das heilige Sakrament erteilt.
Wegen solcher Begegnungen und Gespräche ist der Geistliche unterwegs. Dafür kann er Spötteleien ertragen und dumme Sprüche erdulden. Und die sind manchmal heftig. In Berlin sei ihm mal ein Ei auf die Windschutzscheibe geflogen, „in Chemnitz habe ich eine ganze Batterie neuer Schimpfworte kennengelernt“, erinnert er sich. „Das Beste ist, man bleibt gelassen“, sagt der Pater. Das Beichtmobil ist ein Fahrzeug der christlichen Toleranz. Das erste seelsorgerische Gespräch überhaupt in diesem Auto, so erinnert sich Pater Hermann-Josef, „das war mit einem Muslim“.
Volker Pfau


© Ralf KruseBereit für die Beichte: Pater Hermann-Josef Hubka wartet im VW Bus.












