308.09.1008.09.10|Regional|
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Klein, aber mein. In seinem Ladengeschäft in der Johannesstraße präsentiert Adolf Otto auf engstem Raum die unzähligen Musterbücher mit mehr als 3000 Stoff- und Ledermustern, aus der sich seine Kunden den neuen Bezug für ihren durchgesessenen Lieblingssessel oder das Sofa mit dem unansehnlichen Bezug aussuchen können. „Ich verwende nur gute Stoffe, Velours oder welche mit Handwebcharakter“, erklärt er. Ein gemütlicher, natürlich gut gepolsterter Sessel lädt zum Verweilen ein.

Nur durch einen Vorhang getrennt gelangt man in die Werkstatt des Raumausstattermeisters. Es war im Jahr 1885, als sein Großvater die Sattlerei und Polsterei gründete. Im Frühjahr dieses Jahres konnte der Familienbetrieb sein 125-jähriges Bestehen feiern. Seit dem 1. Oktober 1955 ist Adolf Otto der Chef und der will er auch noch bleiben. Wohlverdienter Ruhestand? Davon will Adolf Otto – stadtbekannt als Meister Otto – auch mit 79 Jahren nichts wissen. „Ich mache weiter, so lange es Freude macht. Das hält mich jung“. Sagt er und beugt sich wieder über den Stuhl, dessen Sitzfläche er gerade aufpolstert. „Manchmal tun der Rücken und die Schultern weh“. Darüber klagt er aber nicht, das erzählt er nur auf Nachfrage.
Das Geheimrezept seiner Vitalität ist seine Frau Marianne. Sie umsorgt ihn liebevoll, steht ihm treu zur Seite und greift ihm immer unter die Arme, wenn es notwendig ist. Aber auch der enge Kontakt zu seinen langjährigen Stammkunden, mit denen er gemeinsam alt an Jahren geworden ist, ist pures Lebenselixier. Die freuen sich nicht nur über ein Schwätzchen über die Ladentheke, sondern auch über den Anruf von „Meister Otto“ zum Geburtstag.
Denn dieser Anruf ist immer etwas Besonderes. Für jedes Geburtstagskind hat er einen passenden Spruch oder ein Gedicht auf Lager. Alle im Kopf abgespeichert. Wie viele andere Daten auch, denn einen Computer hat er nie besessen. Während seine beiden Töchter im Norden Deutschlands ein neues Zuhause gefunden haben, bedeutet für Adolf Otto Bad Hersfeld alles. „Hier ist meine Heimat“. Das begründet auch seinen Einsatz für die Reparatur der kaputten Kirchturmuhr an der Stadtkirche vor etwa vier Jahren, die wieder sprudelnde Fontäne des Springbrunnens an den Nordschulteichen und die Restaurierung des Soldatenhelms am Rathaus. Er schaut halt genau hin – bei den Menschen, im Städtchen und bei seiner Arbeit.
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