Pedro Almodóvars neuer Film

Kinofilm: Tuntenballett im Flugzeug

Die Show der Stewards: Ulloa (Raúl Arévalo, von links), Fajas (Carlos Areces ) und Joserra (Javier Cámara). Foto:  Tobis

der Weg zu den Notausgängen, der Umgang mit den Schwimmwesten und vor allem natürlich die Anwendung des Röhrchens, um sie aufzupusten: Wenn die Stewards Joserra, Fajas und Ulloa vor dem Start des Flugzeugs in Madrid ihre Sicherheitshinweise geben, wird das zum Tuntenballett erster Güte.

Elegant und lasziv machen sie klar, wohin die Reise auf diesem Flug mit der Península-Airline geht. Nach Mexiko-Stadt, wie es im Flugplan steht, jedenfalls nicht. Spaniens Kultregisseur Pedro Almodóvar schickt in seinem neuen Film „Fliegende Liebende“ Passagiere und deren bis in die gebürsteten Augenbrauen homo- und bisexuelles Flugpersonal auf eine Reise ohne Ziel. Wegen eines Fahrwerksschadens kreist die Maschine stundenlang über dem spanischen Festland. Die Fahrgäste der Touristenklasse sind mit Beruhigungsmitteln in einen Dauerschlaf versetzt worden.

In der Businessklasse geben Joserra (Javier Cámara), Fajas (Carlos Areces) und Ulloa (Raúl Arévalo) alles fürs Wohl ihrer Gäste. Vor allem Alkohol und Partydrogen. Immer neue Eimer der Kult-Bowle Agua de Valencia werden angemischt.

Und wenn die Stimmung unter den Gästen kippt - der Höhepunkt des schrägen, aber insgesamt recht schwunglosen Streifens - tanzen die drei eine sexy Choreografie zum Pointer-Sisters-Hit „I’m So Excited“ zwischen Pantryküche und Sitzreihen.

Almodóvar ist bei dieser leichten, aber auch seichten Komödie nicht in der Spitzenform wie bei seinen Klassikern „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“, „Alles über meine Mutter“ oder „Volver“. Mit Cecilia Roth und Lola Dueñas hat er Stars aus seinem Filmkosmos an Bord, selbst Penelope Cruz und Antonio Banderas sind mit einem Miniauftritt auf dem Rollfeld dabei.

Die Mischung aus klassischem Flugzeugkatastrophensetting, Schwulenwitzen, sexuellen Eskapaden im Cockpit und größtmöglichen Turbulenzen bei den Passagieren (eine Domina, ein Herzensbrecher, ein Auftragskiller, eine Hellseherin, ein Manager auf der Flucht), ist zwar lässig inszeniert, gleitet dann aber doch nicht ins Anarchische, wie es Almodóvar immer wieder vorgeführt hat. So bleibt auch die Grundierung des Stoffs durch die Wirtschaftskrise Spaniens blass. Lustige Momente gibt es aber schon, etwa wenn die aufgebrachten Passagiere ins Cockpit reinschauen, um zu fragen, was los ist, dort aber nur über Blow-Jobs gesprochen wird.

Genre: Komödie

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: drei von fünf Sternen

www.hna.de/kino

Von Bettina Fraschke

Kommentare