Tatort: Anschlag auf die bayerische Seele

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Eine Explosion läutet das Familiendrama im „Tatort“ ein

München - Der Anfang des Münchner Tatorts verspricht einen Standard-Actionfilm in langweiligster Hollywood-Manier. Doch dann ändert sich der Ton bei „Der traurige König“ schnell - und dramatisch.

Zu Beginn spart der Tatort nicht mit Klischees: Da gibt es die hübsche, aber naiv-dumme Azubine, eine Verfolgungsjagd und das ganze Drumherum. Doch Gott sei Dank ändert sich das in „Der traurige König“ schnell. Der Münchner „Tatort“ wird tiefgründig, spannend – und berührt dabei wirklich jede Seele.

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Zunächst einmal geht diese Geschichte tief hinein in die bayerische und damit in die Münchner. Der nächste Kramerladen, der ins Gras beißt. Der nächste Beweis dafür, dass langsam aus der beschaulichen Dorf-Stadt an der Isar eine Allerwelts-Metropole wird, mit den immer gleichen Ladenketten, den mit immer gleichen Waren. Herzlos, lieblos stehen sie in den Regalen. Nicht nur die Kommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl), die doch so gerne die Traditionen bewahren wollen, müssen sich der Realität stellen.

Das muss auch Familie Aumeister. Die Drehbuchautoren Magnus Vattrodt und Jobst Christian Oetzmann lassen die Kommissare das Familiendrama behutsam entdecken, packen es gekonnt in etliche Handlungs-Nebenstränge wie das wunderbar perfide Stasi-Verhör ein. Und so geraten der Vater-Taugenichtssohn-Konflikt sowie die Selbstzweifel Leitmayrs nie kitschig oder gar unglaubwürdig. Auch, weil die stoisch-ruhige Inszenierung gut zu diesem Leben, diesem Familienalltag mit dem obligatorischen Herrgottswinkel passt. Und auf die bayrisch-gmiatliche Seele abzielt.

Angelika Mayr

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