Film der Woche

Film der Woche: "Zu Ende ist alles erst am Schluss"

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Diese Oma ist eine Inspiration für ihren Enkel: Madeleine (Annie Cordy) und Romain (Mathieu Spinosi).

Mit „Zu Ende ist alles erst am Schluss“ glückt Regisseur Jean-Paul Rouve eine melancholische und doch immer leichte Tragikomödie. Hier der Kinotrailer zu unserem Film der Woche:

Es ist Frühling, da werden selbst die Dramen zu Komödien. Wenn die auch noch aus Frankreich kommen, wird’s erfahrungsgemäß besonders schön. So auch in „Zu Ende ist alles erst am Schluss“.

Michel Blanc („Sie sind ein schöner Mann“) darf einmal wieder das tun, was zu seinem zerknautschten Durchschnittsgesicht am besten passt: den genervten, leicht cholerischen Nimmerfroh spielen, dem das ganze Leben einfach zu viel wird. Bald geht’s für ihn in Rente; in der Ehe mit seiner Frau (Chantal Lauby) läuft es ebenfalls nicht mehr so prickelnd – und dann verschwindet auch noch Mutter Madeleine (Annie Cordy) aus dem Altersheim, in das er sie gesteckt hatte. Auf Kino-Deutsch bedeutet das: jede Menge amüsanter Turbulenzen. Da stört auch der zugegeben manchmal etwas überladene Soundtrack nicht, der diese in ihrer Verrücktheit wiederum ganz normale Familie beim Stochern im nebligen Tal der Sinnsuche begleitet.

Ganz vorne mit dabei: Romain (Mathieu Spinosi), der nicht nur in der eigenen Familie ständig zwischen den Stühlen sitzt, sondern auch sonst nicht so recht weiß, auf welche Seite er sich schlagen soll und wohin seine eigene Reise gehen könnte.

So nimmt diese mal melancholische, im Grundton aber immer leichte, damit typisch französische Tragikomödie das bewährte Muster – altersweise Oma inspiriert strauchelnden Enkel auf der Suche nach dem Sinn des Lebens – auf charmante Weise auf. Sie schickt ihm Postkarten aus der Ferne; und Romain, der Möchtegern-Literat, bekommt endlich Stoff. Denn wer schreiben will, muss erstmal selbst etwas erleben. Er macht sich also auf die Suche nach der geliebten Großmutter, trifft dabei auf lauter kauzige Gestalten – vom echten Leben abgeschrieben.

Das ist Romains Geschichte. Doch es verlaufen drei Zeitebenen parallel: Enkel, Eltern, Großeltern – sie alle suchen. So ist dieser Film ein bisschen Pubertäts-, ein bisschen Wechseljahre-Drama und ein bisschen Machen-wir-das-Beste-aus-der-Zeit-die-uns-noch-bleibt. Diese Mischung funktioniert, am Ende findet sich jeder Zuschauer in einer der Personen wieder. Da darf man den etwas sperrigen Titel ganz wörtlich nehmen: Zu Ende ist alles erst am Schluss. Die Sinnsuche hört niemals auf. Sie zeichnet das Menschsein aus. Die Moral dieser amüsanten Geschicht’: Das Leben ist zwar in jeder Altersklasse nicht immer einfach. Doch wer es mit Humor nimmt, hat definitiv die besten Karten.

von Katja Kraft

„Zu Ende ist alles erst am Schluss“

mit Michel Blanc

Regie: Jean-Paul Rouve

Laufzeit: 94 Minuten

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