Zu Besuch am "Landarzt"-Drehort

+
Die Schauspieler Franziska Troegner als Gertrud Hinnerksen (l-r), Wayne Carpendale als Doktor Jan Bergmann und Lea Faßbender als Anja Steinwehr

Kappeln - Seit einem Vierteljahrhundert gibt es den “Landarzt“ im ZDF. Auf den Spuren der Serie reisen Menschen an die Drehorte an der Schlei im nördlichen Schleswig-Holstein.

Der “Landarzt“ hat das Leben von Anne Wengel verändert. Von der ersten Folge an hat sie die ZDF-Serie verfolgt, die vor 25 Jahren das erste Mal ausgestrahlt wurde. Und als dann Landarzt Nummer zwei, Walter Plathe als Dr. Teschner, einen Landarztfonds gründete, der unter anderem Kindergärten unterstützte, machte auch Anne Wengel eine Tombola für den Fonds. Das kam so gut an beim Bürgermeister des Städtchens Kappeln, das Fans der Serie als “Deekelsen“ kennen, dass er die Saarländerin an die Schlei im Norden Schleswig-Holsteins einlud. Zum Empfang im Rathaus kam auch der Stadtarchivar - heute ist Anne Wengel seine Frau.

Doch sie kam noch näher ran an ihre TV-Idole: Seit elf Jahren arbeitet sie in der “Landarztkneipe“, dem Hotel-Restaurant Aurora in Kappeln. Der Stammtisch dort, an dem Christian Quadflieg, Walter Plathe und Heinz Reincke als Pastor Eckholm sich gepflegt einen hinter die Binde kippten, bietet einen Blick auf den Rathausmarkt.

An den Backsteinwänden hängen Fotos der Schauspieler, auch von Reincke, nach dem eine Suite benannt ist, in der er wohnte. “Er konnte vom Fenster auf die Kirche schauen, das fand er toll, weil er ja der Pastor war“, erinnert sich Wengel. Drei Stunden brauchte es, bis der Stammtisch drehfertig war. “In der Hochsaison haben die viele Szenen am Stück gedreht, wir können ja nicht so lange schließen.“ Wenn Schauspieler auf der Terrasse saßen, bildeten sich Menschentrauben. Wengel bedauert, dass künftig nicht mehr im Aurora, sondern einem Hotel am Hafen gedreht wird. Dennoch: “Der “Landarzt“ ist ein wichtiger Bestandteil meines Lebens.“

Fan der Serie ist auch Gabi Köhler aus Hessen. “Walter Plathe hat mir unheimlich gut gefallen“ schwärmt sie. So gut, dass Ehemann Jürgen Köhler zugriff, als er auf der Suche nach einem Geschenk das Urlaubspaket “Auf den Spuren des Landarztes“ der Tourismusorganisation Ostseefjord Schlei entdeckte. Den 25. Geburtstag der Serie nutzen die Touristiker für ihre Zwecke, denn das Jubiläum lenkt mehr Aufmerksamkeit auf die Region, wie Geschäftsführerin Anke Lüneburg sagt.

Jetzt sitzt Ehepaar Köhler im Café und Hotel Krog in Ulsnis, das in der Serie von Landarzt-Gattin Maren (Caroline Scholze) betrieben wird. Köhlers wohnen auch dort. Von ihrem Fenster aus konnten sie die Dreharbeiten beobachten.

Die “echte“ Maren ist Café-Inhaberin Hedda Krog. Seit zwei Jahren kann sie ihr Haus im Fernsehen bewundern. Café, Hof, Küche und Garten stellt sie zur Verfügung. “Es ist ein großes Glück, dass wenig umgebaut wird“, sagt sie. Bedingung war, dass am Ruhetag gedreht wird. “Die Gäste sollen unbehelligt bleiben.“ Ein Landarzt-Café soll das Café Krog nicht sein. “Man muss mit Selbstbewusstsein da rangehen, wir leben von den Gästen, nicht von ein paar Drehtagen.“

Eine gute Werbung sei die Serie aber schon, doch wenn Busladungen nur zum Fotografieren das Café stürmen, wenn Fans anrufen und Autogramme der Stars bei ihr bestellen wollen, ist Schluss mit lustig. Dabei mag Krog die Schauspieler: “Die sind alle lässig.“ Respekt vor dem Beruf hat sie bekommen. Morgens ab 7 Uhr drehen, die Familie in Berlin - “das ist ein Knochenjob“, ist Krogs Erkenntnis.

Eine wahre Freundschaft ist zwischen Schauspieler Gerhard Olschewski und den Bartels entstanden. Das ältere Ehepaar stellt für die Serie seinen Hofgarten als “Hinnerksens Kräutergarten“ zur Verfügung. Hans-Jürgen Bartel stammt aus dem heutigen Polen, Olscheswki ist gebürtiger Ostpreuße. “Ich bin sein Verwalter“, sagt Bartel grinsend. Mit seiner Frau betreibt er den Holländerhof von 1635. Gretchen Bartel führt gerade wieder eine Reisegruppe auf “Landarzt“-Spuren durch den Garten. 4000 Menschen kommen jedes Jahr zum Gucken. Seit Wayne Carpendale die Hauptrolle spielt, sind “sehr viele jüngere Familien dabei“, hat Hans-Jürgen Bartel beobachtet. Seine Frau erzählt, wie nach Ende der Dreharbeiten Kräuter in Töpfen abends wieder ausgebuddelt werden.

“Wenn Hinnerksen Kräuter schneidet, wuselt er sich durch meine Rosenbüsche, und der Kameramann sitzt oben auf seiner Hydraulik.“ In der Scheune ist Hinnerksens Sofa zu sehen. “Wir haben uns schwer getan, ja zu sagen“, erinnert sich Hans-Jürgen Bartel an die Drehanfrage. Der Regisseur sagte “nur ein paar Stunden“, jetzt ist es ein Vierteljahrhundert. Beim Dreh darf kein Krach sein, kein Trecker fahren. “Aber um halb 5 geht die Melkmaschine los, danach muss sich die Produktion richten.“ Das hat auch Bartels am Anfang

dpa

Sexy Fotoshooting für den Deutschen Bauernkalender

Sexy Fotoshooting für den Deutschen Bauernkalender

Kommentare