Der Begriff Parodontitis ist fast jedem Menschen bekannt. Doch was ist das genau und welche Auswirkungen hat diese Erkrankung für den menschlichen Körper?

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Mit regelmäßiger guter Zahnpflege kann der Parodontits vorgebeugt werden.
Dr. Götz-Ruprecht von Schön-Angerer, Zahnarzt aus Kassel, beantwortet die wichtigsten Fragen.
Was genau bedeutet Parodontitis?
Dr. von Schön-Angerer: Ganz allgemein ist mit diesem Begriff die Entzündung des Zahnhalteapparates, also der Schleimhaut, dem zahnhaltenden Fasersystem und der Knochen gemeint. Ausgelöst wird diese Erkrankung neben wenigen anderen Faktoren durch bakterielle Anlagerung und folgender Invasion in die genannten Gewebsstrukturen. Zuerst befallen und angegriffen ist immer das Zahnfleisch (Gingiva), welches mit Schwellung, Rötung und Blutung in Form der Gingivitis versucht, den Bakterienangriff abzuwehren. Diese Art Vorstufe der Parodontitis kann immer durch richtige Zahnpflege zuhause und professionelle Zahnreinigung in der Zahnarztpraxis zur vollständigen Ausheilung gebracht werden.
Was passiert, wenn die Zahnfleischentzündung nicht behandelt wird?
Wie merke ich, ob ich an Parodontitis erkrankt bin?
Dr. von Schön-Angerer: Zahnfleischbluten, Mundgeruch, Schmerzen und sich zurückziehendes Zahnfleisch sind klassische Alarmzeichen für eine Parodontitis. Durch den einsetzenden Knochenverlust bauen sich das Zahnfleisch und der Faserapparat im gleichen Maße wie der Knochen ab. Für diesen Prozess sind Millionen von Bakterien verantwortlich. Die Verbindung aus Bakterienfilm und zerfallendem Zahnfleisch führt zur starken Geruchsbildung. Hierbei können zusätzlich eitrige Sekrete freigesetzt werden. Sämtliche Zahntaschen in ihrer Oberfläche zusammen genommen entsprechen der Größe einer Untertasse. Jeder kann sich vorstellen, dass solch ein Entzündungsareal auf dem Unterarm die meisten Menschen sofort zum Hautarzt treiben würde.
Ist eine solche Erkrankung gefährlich für den gesamten menschlichen Organismus?
Dr. von Schön-Angerer: Eine Zahnbettentzündung bleibt nicht auf die Mundhöhle beschränkt. Die Erreger gelangen über die geschwollene Schleimhaut in die Blutbahn. Forscher gehen davon aus, dass Parodontitis zu einer Entzündung der Herzinnenhaut führen kann: In mehr als achtzig Prozent der Fälle sind Bakterien aus der Mundhöhle beteiligt. Gefährdet sind Personen mit künstlichen Herzklappen oder geschädigten Herzen, da Bakterien gern an veränderten Stellen der Herzinnenwand siedeln. Solche Patienten erhalten vor jeder Zahnarztbehandlung prophylaktisch ein Antibiotikum, um ausgeschwemmte Bakterien zu eliminieren.
Was kann ich als Patient dagegen unternehmen?
Dr. von Schön-Angerer: Hauptursachen für die Entstehung ist neben schlechter Mundhygiene Rauchen, Stress und ungesunde Ernährung. Das heißt, es wird einfach zu wenig Obst und Gemüse, dafür zu viel Fleisch gegessen. Außerdem sollte jeder Patient zweimal im Jahr eine professionelle Zahnreinigung machen lassen. Etwa siebzig Prozent aller Erwachsenen zwischen 35 und 44 Jahren sind an einer mittelschweren oder auch schweren Parodontitis erkrankt. (hko)



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