Verzweifelte Fans: "Wie konnten die das zulassen?"

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Auf der ganzen Welt trauern die Fans um Michael Jackson.

Los Angeles - Das Geheimnisvolle und Rätselhafte, das Michael Jacksons Leben umgab, schwebt an diesem Tag auch über Encino, einer hügeligen Vorstadtgegend im Nordwesten von Los Angeles.

Die Familie des "King of Pop" hat sich hier in ihrem Anwesen versammelt. Sie hofft auf Antworten von dem Arzt, der "Jacko" in seinen letzten Minuten begleitete.

"Wann kam der Arzt? Was tat er? Gab er ihm eine Spritze? Und wenn ja, mit was?", fragt der US-Bürgerrechtler Jesse Jackson nach einem Besuch bei den trauernden Angehörigen.

Außerhalb des hinter einer Mauer verborgenen Grundstücks haben am Samstag auch die Fans Fragen. "Wir sind mit Michael aufgewachsen -wir sind praktisch auch seine Familie", sagt Linda Hunt (35). "Wie konnten die Leute, die ihm nahestanden, die sich um ihn gekümmert haben, so etwas zulassen?"

Der Tod des King of Pop

Pop-Ikone Michael Jackson ist tot

In der Stadt hat derweil Geraldine Hughes einen harten Tag. Sie trotzt der glühenden Mittagshitze am Straßenrand, nicht weit von Jacksons Stern auf dem Hollywood "Walk of Fame" entfernt. Vor ihr steht eine Kiste voll mit dem Buch, das sie vor mehr als zehn Jahren über den Megastar geschrieben hat.

"20 Dollar - oder 25, wenn Sie ein signiertes Exemplar wollen", ruft ihr Bruder den Leuten zu. Kaum jemand zeigt Interesse. Auch die Verkäufer von frisch bedruckten Michael-Jackson-T-Shirts nebenan haben wenig Glück. "Das Buch beweist, dass er unschuldig war", sagt die 50-jährige Hughes. "Das macht es so schrecklich. Er war ein ganzes Leben lang fremdbestimmt und eingeengt."

Hughes hat einen besonderen Blick auf das bizarre Leben des Megastars. Vor 16 Jahren war sie Assistentin des Rechtsanwalts, der einen 13-jährigen Jungen in seiner Missbrauchsklage gegen Jackson vertrat. Der Fall kam - anders als ein ähnlicher Vorwurf zehn Jahre später - nie vor Gericht. Doch Jackson gab Millionen aus, um die Sache zu regeln.

Niemand habe ihr Buch veröffentlichen wollen, die TV-Stationen hätten ihre Belege ignoriert, klagt Hughes. "Sie wollten es nicht wissen. Sie haben zu viel Geld damit verdient, eine schmutzige Seite von Michael Jackson zu malen. Aber der Junge war kein Kinderschänder." Heute steht die Autorin eigenen Angaben zufolge kurz vor Abschluss eines Filmvertrags. "Jetzt wollen sie mein Buch. Es ist eine Schande."

Für eine Schande halten viele Fans auch die Zweifel an ihrem Idol. "Niemand hat Michael wirklich gekannt - er war einzigartig", sagt die Sekretärin Mynesha Edwards. "Sein Tod ist eine einzige Tragödie, aber genauso tragisch war, wie er zu Lebzeiten behandelt wurde."

Edwards hat sich am Abend zuvor mit Heerscharen von Trauernden vor der Uniklinik in Los Angeles eingefunden. Hier war Jackson, 50 Jahre alt, am Donnerstag nach einem Herzversagen für tot erklärt worden. Viele haben auf den abends sonst leer gefegten Bürgersteigen rund um das Krankenhaus Kerzen aufgestellt, andere bringen Blumen und Poster. Sie wollen dem Mann die letzte Ehre erweisen, der weithin als größter Popstar seit Elvis Presley gilt.

Anders in New York , London oder Tokio, wo unzählige Menschen fast fröhlich mit Tanzpartys und Jackson-Songs an den legendären Sänger erinnerten, bleibt es in Los Angeles eher still. Viele hängen ihren Gedanken nach, trauern für sich. Helene aus Paris hat auf einem abgerissenen Zettel ein Nachricht hinterlassen. "Wir werden Dich nie vergessen", steht da in schöner Handschrift.

Ein anderer Fan bekennt: "In einer Zeit, als ich an sonst nichts glaubte, habe ich Dir vertraut." Er hat eine Zeichnung beigefügt: Jackson in jungen Jahren, fit, gesund und vor Energie sprühend -lange, bevor der Ruhm und ein vermutlich massiver Medikamentenmissbrauch ein Wrack aus ihm machten. "Er muss gewaltig unter Stress gestanden haben", bedauert die Friseurin Laurie Bright. Und der Student Alan Jamis fügt hinzu: "Es stimmt schon, was man sagt: "Die Besten sterben zuerst"." ´

Von Andy Goldberg, dpa

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