„Germany’s next Topmodel“-Finale: Interview mit Laufsteg-Trainer und Kultstar der Staffel, Jorge Gonzalez

Heute Topmodel-Finale: Jorge ist der neue Bruce Darnell

Jorge Gonzalez

Casting-Shows haben eines gemeinsam: Sie produzieren Stars, die nur Wochen nach der Sendung kaum jemand mehr kennt. Einige wenige bleiben aber doch im Gedächtnis, weil sie anders sind. Jorge (gesprochen: „Hoche“) Gonzalez ist so einer dieser Ausnahme-Typen.

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Der 42-jährige Laufsteg-Trainer von Heidi Klums „Germany’s next Topmodel“ ist noch exotischer und überdrehter als sein Vorgänger Bruce Darnell und der eigentliche Star der medialen Modelschmiede, die heute auf Pro Sieben, 20.15 Uhr, ins Finale startet.

Sie sind der Publikumsliebling der fünften Staffel. Was geben Sie den Menschen?

Jorge Gonzalez: Ich bringe die kubanische Sonne nach Deutschland. Ich lache gern, vielleicht kommt das gut an. Und ich überlege nicht so viel, bevor ich etwas sage. Alles, was ich mache, kommt von meinem Herz. Die Leute spüren hoffentlich, dass es keine einstudierte Rolle ist.

Als Stefan Raab Sie neulich eine „spanische Schwuchtel“ nannte, konterten Sie: „Ich bin eine kubanische Schwuchtel.“ Fällt es Ihnen leicht, mit dem Image umzugehen?

Gonzalez: Ich mag dieses Versteckspiel nicht und habe kein Problem damit zu sagen: Ich bin homosexuell. Das ist schön, die Welt ist groß, viele mögen das, viele mögen das nicht, das ist für mich okay.

Könnten Sie als der Jorge, der in Stöckelschuhen über den Laufsteg wackelt, im kommunistischen Kuba auftreten?

Gonzalez: Wir reden jetzt über verschiedene Welten. In Kuba ist Homosexualität ein No-go, das ist ganz schlimm. Das war auch ein Grund, warum ich mein wunderschönes Land verlassen habe. Es ist für mich nicht möglich, dort zu leben und mich die ganze Zeit zu verstecken. Jetzt bin ich in einem ganz tollen, tollen Deutschland, und ich finde das ganz toll.

Sie leben mit Ihrem Partner in Hamburg-Eppendorf. Können Sie noch auf die Straße gehen, seitdem die Staffel gestartet ist?

Gonzalez: Ich mache alles wie immer: Ich gehe mit meinem Hund spazieren und habe die gleichen Freunde – nur treffe ich jetzt mehr Leute auf der Straße, die meinen Namen kennen: Ah, da ist Jorge! Ich bin es gewohnt, in Kuba begrüßen wir jeden auf der Straße.

Derzeit sind Sie sehr oft im Fernsehen zu sehen. Raab hatte die „Jorge Woche“ ausgerufen. Haben Sie Sorge, dass der Medienrummel ebenso schnell vorbei ist?

Gonzalez: Überhaupt nicht. Ich genieße das natürlich, weil ich merke, dass ich etwas getan habe, das für die Leute interessant ist. Für mich ist es aber vor allem ein Job als Catwalk-Trainer, neben dem ich genug andere Sachen zu tun habe. Ich war sehr glücklich vor der Staffel und werde es auch danach sein. Ich bin nicht – wie sagt man das? Prominentengeil.

Sie sprechen fünf Sprachen und haben Nuklearökologie studiert. Werden Sie als Modeltrainer oft unterschätzt?

Gonzalez: Naja, ich bin bei „Germany’s next Topmodel“ und nicht in einer Wissenschaftssendung. Die Leute kennen mich als Catwalk-Trainer, aber natürlich kann ich auch über andere Themen reden als darüber, wie man auf High Heels läuft.

Bei einer Kontrolle auf dem Hamburger Flughafen haben sich Sicherheitsleute über Ihre Pumps-Sammlung im Koffer gewundert. Wie war das?

Gonzalez: Ich bin von Los Angeles zurückgekommen und war so richtig fertig. Meine Freunde warteten draußen, und ich wollte schon rausgehen, aber die Männer kontrollierten mich. Sie öffneten nur einen Koffer und entdeckten meine High Heels. Einer von denen kannte mich zum Glück: Ah, du bist der mit den schönen Frauen im Fernsehen. Sie haben gelacht und ich auch.

Zur Person

Jorge Gonzalez (42) ist gebürtiger Kubaner. Mit 17 Jahren ging er zum Studium der Nuklearökologie in die Tschechoslowakei - das damals sozialistische Bruderland. Um Geld zu verdienen, modelte er nebenbei. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs kam er 1994 nach Deutschland, wo er seine Mode-Leidenschaft verwirklichen konnte. Er arbeitete für Designer wie Laura Biagiotti, Versace und Vivienne Westwood. Zudem gründete er eine Künstleragentur in Hamburg. Heute lebt er mit seinem Partner in Hamburg-Eppendorf. Der vollständige Name des Kubaners lautet Jorge Alessi González Madrigal Barona Villa.

Von Bastian Ludwig

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