Vom ewigen Kampf gegen die Römer

50. Geburtstag von Asterix

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Die fliegen, die Römer. Asterix und Obelix mit ihren Lieblingsfeinden.

München - Die wohl bekanntesten Kelten aller Zeiten feiern diesen Monat ihren 50. Geburtstag. Ein Blick hinter den langjährigen Siegeszug der Gallier und wie alles begann.

Asterix, Obelix, Majestix und Co. – wem sind diese „unbeugsamen Gallier“, die durch einen Zaubertrank übermenschliche Kräfte erhalten und es gegen die Römer aufnehmen, kein Begriff? Mit seinen 33 Bänden, acht Zeichentrick- und drei Spielfilmen ist „Asterix“ nicht nur die erfolgreichste französische, sondern eine der bekanntesten Comicfiguren weltweit. Die Asterix-Abenteur wurden in mehr als hundert Sprachen übersetzt und 325 Millionen mal verkauft. Am 29. Oktober 1959 erblickteder 1,20 Meter große Gallier in der

französischen Wochenzeitschrift „Pilote“ das Licht der Comicwelt. Zu seinem 50. Geburtstag hat sein Schöpfer, der Franzose Albert Uderzo, eine Jubiläumsausgabe geschaffen. Heute erscheint beim Egmont Ehapa Verlag und bei der Ehapa Comic Collection das „Goldene Buch“ (Band 34). Zum Auftakt des Jubiläumsjahres war im Januar bereits eine Graphic Novell mit dem Titel „Wie Obelix als kleines Kind in den Zaubertrank geplumst ist“ erschienen. Darin wurde eines des letzten großen, gallischen Geheimnisse gelüftet. Dass Asterix’ treuer Gefährte Obelix als Kind in Miraculuix’ Kessel mit Zaubertrank gefallen ist, weiss jeder. Was aber genau damals vorgefallen ist, verrät das 48-seitige Büchlein.

Der Grundstein für das gallischen Kult-Dorf wurde 1951 in Paris gelegt, wo sich der Autor René Goscinny und der Zeichner Albert Uderzo zum ersten Mal begegneten. Die beiden werden enge Freunde und entwickeln schon bald gemeinsam ihre ersten Comic-Figuren, den Indianer „Umpah-Pah“, sowie Pitt Pistol und Luc Junior. 1959 gründen sie zusammen mit dem französischen Radiosender RTL eine eigene Zeitschrift, die kurze Zeit später zur Wiege des Comichelden Asterix wird. Eigentlich arbeiten Goscinny und Uderzo damals an einem Comic, in dem Reineke Fuchs im Mittelpunkt stehen soll, damit wollen sie Klassisches mit Modernem verbinden. Doch die Konkurrenz kommt ihnen mit der selben Idee zuvor. Die beiden brauchen schnell eine neue Idee. Sie rekapitulieren die französische Geschichte und bleiben schließlich bei den Galliern und dem Namen des französischen Nationalhelden Vereingetorix hängen. Das bringt sie auf die Idee, die Namen ihrer gallischen Comicfiguren alle auf –ix enden zu lassen. Bei der optischen Umsetzung des des Titelhelden zeigen sich Probleme: Während sich Goscinny einen Antihelden, also einen unauffälligen, harmlosen Knirps vorstellt, will Uderzo hingegen einen starken Muskelmann nach dem traditionellen Heldenbild. Daraus wird der kleine aber mutige gallischen Krieger Asterix: mit Knollnase, hochgestelltem Schnauzer, locker sitzenden Fäusten und geflügeltem Helm. Als Gegenpart entwickeln sie den dickleibigen, immer hungrigen und tapsigen „Obelix“. Der Comic über das kleine Gallische Dorf wird ein voller Erfolg und bereits 1961 erscheint mit „Asterix der Gallier“ die erste längere Geschichte in Form eines Comic-Albums. In den folgenden Jahren werden weltweit über eine Million Asterix-Exemplare verkauft.

Im (nach französischer Zählung) fünften Band „Tour de France“ wird 1965 die Figur des Hundes Idefix eingeführt, der als treuer Gefährte des Obelix das gallische Duo komplettiert. Im selben Jahr schickt Frankreich seinen ersten Satelliten ins All – er heißt Asterix. 1967 hat der erste Asterix-Zeichentrickfilm Premiere: „Asterix der Gallier“. 1969 werden Goscinny und Uderzo von der französischen Regierung mit dem Titel „Chevalier des Arts et des Lettres“ ausgezeichnet. 1974 gründen die beiden die Studios Idéfix, um auch die Asterix-Filmprojekte von nun an selbst zu realisieren. 1976 kommt der zweite Zeichentrickfilm in die Kinos: „Asterix erobert Rom“. Überhaupt sind die Gallier in aller Munde. Ihre flotten Sprüche – Obelix’ „Ich bin nicht dick“ oder „Die spinnen, die Römer“ – werden zu geflügelten Worten. Sogar der französische Präsident de Gaulle neckte seine Minister mit Namen aus dem gallischen Dorf.

Ein herber Schicksalsschlag trifft die gezeichneten Helden, als René Goscinny am 5. November 1977 an akutem Herzversagen stirbt. Mit dem Tod des Texters droht auch Asterix im Alter von 18 Jahren zu sterben. Doch der Verlag zwingt Uderzo gerichtlich zum Abschluss des laufenden Projekts „Asterix bei den Belgiern“. Was diesem zunächst als unerträgliche Last erscheint, wird ihm im Laufe der Zeit doch zur positiven Selbstbestätigung. Uderzo gründet gemeinsam mit der Witwe von Goscinny den Verlag Les Editions Albert René. Dem dortigen Debütheft „Der große Graben“ folgen bis heute sieben weitere Asterix Bände. 1999 kommt schließlich auch die erste Asterix-Verfilmung mit Schauspielergröße Gérard Depardieu in der Rolle des Obelix in die Kinos: „Asterix und Obelix gegen Cäsar“. Im Frühjahr 2006, mit 78 Jahren, erklärt Uderzo in „Die Zeit“, dass er nichts von seinem Tatendrang verloren hat: „Ich möchte weitermachen, solange es mir möglich ist und solange man meine Geschichten lesen will. Im Grunde habe ich immer davon geträumt, das zu machen, was ich jetzt mache – ich bin ein Clown, der zeichnen kann.“ Das Pariser Verlagshaus Albert René bestätigte Anfang diesen Jahres, dass Uderzo die Erlaubnis für weitere Asterix-Abenteuer auch im Fall seines Ablebens gegeben hat. Es scheint als wären die Gallier nicht nur überaus stark, sondern auch unsterblich.

Lila Schulz

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