Abschied von fiktiver Figur

Cindy, Mr. Bean, Borat: Diese Kunstfiguren sind passé

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Ilka Bessin als Cindy aus Marzahn.

Berlin - Schluss mit pink: Cindy aus Marzahn ist Vergangenheit. Die Komikerin Ilka Bessin ist nicht die Erste, die sich von ihrer fiktiven Figur verabschiedet. Ein Überblick.

Tschüssi, Cindy aus Marzahn: Ilka Bessin hat ihrer Kunstfigur Lebewohl gesagt, dieser übergewichtigen, stets pink gekleideten Langzeitarbeitslosen aus dem für seine Plattenbauten bekannten Berliner Stadtteil Marzahn. „Man darf so eine Figur nicht totspielen“, sagt die 44 Jahre alte Komikerin in der neuen Ausgabe des Magazins „Der Spiegel“.

Nun kennt die Öffentlichkeit einige Künstler, die mit Alter Egos - deutsch: anderen Ichs - spielen. Aktuell wären in Deutschland etwa Vorzeigeproll Atze Schröder zu nennen oder das genaue Gegenteil, der aus einer Supermarktwerbung bekanntgewordene Gentleman Friedrich Liechtenstein.

Historisch und international gesehen gehörte der im Januar gestorbene Popstar David Bowie mit seinem „Ziggy Stardust“ einst zu den Vorreitern. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Fälle, dass sich berühmte Kunstfiguren rar machten oder gänzlich verschwanden.

Eine Auswahl:

CINDY AUS MARZAHN: „Wenn man sich elf Jahre lang Abend für Abend eine Perücke aufsetzt und einen pinkfarbenen Jogginganzug anzieht, muss man aufpassen, dass die Leute nicht irgendwann sagen: Boah, ich kann den Scheiß nicht mehr sehen“, sagt Ilka Bessin, die eigentlich im brandenburgischen Luckenwalde geboren wurde, im „Spiegel“. „So weit soll es nicht kommen.“ Sie habe Cindy als ihre „beste Freundin“ empfunden und nicht als Last, dennoch wolle sie jetzt etwas Anderes machen: Kleidung für Übergewichtige designen und schneidern. Ob sie irgendwann wieder auf die Bühne zurückkehrt? Unklar!

HORST SCHLÄMMER: „Ich habe den Horst geliebt. Wahrscheinlich sogar meine absolute Lieblingsfigur“, sagte Entertainer Hape Kerkeling 2014 der „Bild“, als er seinen Rückzug aus dem Showgeschäft ankündigte. Doch die Maskerade sei stets sehr anstrengend gewesen. Der Kleber für den Schnurrbart habe gestunken, das Gebiss Kopfschmerzen verursacht. „Viele meiner Figuren waren nur für ein, zwei Auftritte geplant und dann wurden sie so erfolgreich, dass ich sie immer und immer wieder spielen musste.“ Kerkeling zog die Reißleine.

BORAT: Etwa zeitgleich zu den größten Erfolgen von Horst Schlämmer vor zehn Jahren agierte international auch der Schauspieler Sacha Baron Cohen als kasachischer Fernsehreporter Borat, der sich unmöglich kleidete und allerhand politisch unkorrekte, rassistische, antisemitische und frauenfeindliche Dinge von sich gab. Cohen schlüpfte seitdem immer wieder in andere Rollen und hat den besonders aufsehenerregenden Borat eher abgelegt. Jüngst war er im Kino im Hollywoodfilm „Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln“ zu sehen.

MR. BEAN: Die Comedy-Serienfigur des britischen Schauspielers Rowan Atkinson feierte ihre größten Erfolge in den 1990er Jahren. Mister Bean (Herr Bohne), der egozentrische Tollpatsch und sonderbare Single (er redet mit seinem Teddybär) verschwand vor etwa zehn Jahren von der Bildfläche. Allerdings erschien Mister Bean 2012 noch einmal bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele in London. Außerdem tauchte er jüngst wieder in einem Schokoriegel-Werbespot auf.

DIDI: Mit seinem „Palim, Palim!“ im Gag über die „Flasche Pommes“ oder dem Butler-Auftritt im Sketch „Die Kuh Elsa“ eroberte Dieter Hallervorden einen Platz in Deutschlands kollektivem Gedächtnis. Und kämpfte dagegen. „Es war unheimlich schwer, aus der „Didi“-Schublade rauszuklettern und zu meinen eigentlichen Wurzeln zurückzukehren“, sagte der langjährige Kabarettist und Schauspieler einmal über sein Witzel-Image. Inzwischen wird er wieder als Charakterdarsteller wahrgenommen, etwa im Kinohit „Honig im Kopf“ von Til Schweiger oder aber in verschiedenen Rollen an seinem Schlosspark Theater in Berlin.

WEITERE ENTERTAINER: In jüngerer Zeit gibt es einige Komiker und Comedians, die nun viel mehr als Schauspieler agieren und frühere Rollen und Verhaltensweisen abgelegt haben: Dazu gehören etwa Michael (Bully) Herbig, der keine Parodien mehr wie „Der Schuh des Manitu“ drehen mag, sondern einen Thriller plant. Auch Anke Engelke oder die frühere „Annemie Hülchrath“-Darstellerin Cordula Stratmann agieren nun öfter seriös, ebenso wie Bastian Pastewka, der in der ZDF-Dramaserie „Morgen hör ich auf“ die Hauptrolle spielte. Der langjährige Late-Night-Talker Harald Schmidt (oft „Dirty Harry“ genannt) übernimmt bald eine Rolle im neuen Schwarzwald-„Tatort“.

UND SONST?

Eine ganze Branche von fiktiven Figuren stellt natürlich die Travestie-Szene dar. Europas prominenteste Dragqueen ist dabei wohl die bärtige österreichische Eurovision-Song-Contest-Siegerin Conchita (die den etwas ordinären Nachnamen Wurst immer öfter meidet).

Weltweit gesehen ist die lilahaarige Dame Edna Everage des australischen Komikers Barry Humphries zu nennen. In den Schwulenszenen der Metropolen gibt es unzählige Figuren mit oft witzigen Namen.

Auch das Internet bringt fiktive Figuren hervor. Wie erst jüngst bekannt wurde, kommt das YouTube-Phänomen „Die Prenzlschwäbin“ - ein verkörpertes Öko-Yuppie-Mutti-Klischee im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg - sogar ins Kino. Die Dreharbeiten sollen 2017 sein, sagte die aus Esslingen stammende Schauspielerin Bärbel Stolz, die dahinter steckt.

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dpa

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