Zwist, Harmonie und Missverständnis

Mario Reymond

Heringens Bürgermeister Hans Ries betrat am Mittwochabend nach dem gescheiterten Versuch des Stadtparlaments, ein Abwahlverfahren gegen ihn einzuleiten, mit breitem Grinsen das Bürgerhaus. Lange Gesichter dagegen machten die Initiatoren dieses gescheiterten Misstrauensprozederes. Und nach dieser Schmach für das Parlament machte Ries bei einem noch ausstehenden Tagesordnungspunkt sofort wieder deutlich, wer in Heringen die Hosen anhat.

Zunächst wollten die Parlamentarier das städtische Mitteilungsblatt einstampfen, da es vom Bürgermeister für die Eigendarstellung seiner Person zweckentfremdet würde. Hans Ries machte umgehend auf die Wichtigkeit dieses Informationsblattes für die Bürger aufmerksam und forderte die Rücküberweisung an die Ausschüsse. Diesen Wunsch erfüllten ihm die Stadtverordneten nicht. Vielmehr sollte nach einem SPD-Antrag dafür gesorgt werden, dass allen Fraktionen ebenfalls die Möglichkeit für politische Informationen im Blättchen eingeräumt wird. Dies wurde mit großer Mehrheit so beschlossen. Doch da hatten die Stadtverordneten die Rechnung ohne den Bürgermeister gemacht. Dieser wird nach eigenen Worten diesem Beschluss sofort widersprechen, da es im Mitteilungsblatt keinen Raum für politisches Geplänkel gebe.

Und noch eine Anekdote aus der Werrastadt. Für Bürgermeister Hans Ries steht unumwunden fest, dass CDU-Fraktionsvorsitzender Eckhard Bock der Drahtzieher in Sachen Abwahlverfahrenen gegen ihn gewesen ist. So jedenfalls steht es in einer kurzen Erklärung des Bürgermeisters. „Wer Eckhard Bock als leuchtendes moralisches und finanzpolitisches Vorbild präsentieren will, der hat dann wohl auch den letzten Rest an Verständnis und Zustimmung in unserer Stadt verspielt“, teilt Ries mit. Er persönlich habe immer wieder vor Bock gewarnt „Wer sich mit ihm einlässt, der kann nur Schaden nehmen. Mit Hinterzimmerintrigen kann man zudem keine Menschen für sich gewinnen“, merkt der Bürgermeister an.

Während an der Werra gestritten wurde, gab sich das zeitgleich tagende Gemeindeparlament von Hohenroda einmütig. Angesichts der nahenden Bürgermeisterwahl hatten auch Kommunalpolitiker aus der Gemeinde Kontroversen erwartet. Der zukünftige Bürgermeister von Hohenroda – egal welcher der drei Kandidaten im Mai das Rennen macht – kann sich jetzt sicher sein: Der Zukunftskurs, den sein Vorgänger Jörg Schäfer eingeschlagen hat, wird von einer breiten Basis im Parlament unterstützt. Schon in Kürze werden die Hohenrodaer Kämmerei und Gemeindekasse wohl aus Friedewald mitbetreut. Ein Beschluss des Parlamentes dort steht zwar noch aus, aus der Dreienberggemeinde wurde jedoch bereits Zustimmung signalisiert. Unangenehme Überraschungen sind daher eher unwahrscheinlich, wenn auch nicht ausgeschlossen.

Heftige Reaktionen hat unser Bericht zum Verwaltungsgericht Kassel am Mittwoch auf Lokalseite 2 ausgelöst. Darin hatten wir geschrieben, dass das Gericht dem Unternehmen K+S weiterhin erlaubt Lauge in das Grundwasser zu leiten. Diese Formulierung war seitens der Richter nicht glücklich gewählt, aber dennoch nicht falsch. Gemeint war natürlich der Plattendolomit tief unter der Erde. Aber auch darin befindet sich Grundwasser. Dieses wird aber nicht als Trinkwasser gefördert.

Kommentare