Zwischen den Zeilen: Wahlkampf-Flaute und politische Grabesstille

Kai A. Struthoff

Stell dir vor, es ist Bürgermeisterwahlkampf, und keiner merkt’s. Genauso kommt es mir in Bad Hersfeld zurzeit vor. Einsam und inzwischen auch schon ein bisschen verblichen hängt Karsten Vollmars Konterfei an jedem zweiten Baum. Aber sonst tut sich nicht viel. Außer bei der AfD, die ihren Parteifreund demontiert, während der seelenruhig in Griechenland Urlaub macht.

Offenbar völlig unbeeindruckt von der Abfuhr durch die eigene Partei wirbt Michael Schmidt nun ganz keck als „Alternative für Hersfeld“ (AfH) für sich im blau-weiß-roten AfD-Gewand, das übrigens auch Thomas Fehling als Wahlkampf-Design auserkoren hat. Ein Schelm, wer böses dabei denkt.

Während die große Fehling-Koalition eine politische Grabesstille pflegt, gibt es andere kluge Köpfe, die sich über vieles nur noch wundern. Zum Beispiel darüber, wie diese bunte Mehrheit stillschweigend Thomas Fehlings Lieblingsbaby, die smarte Geschwindigkeitskontrolle in Asbach durchwinkt, ohne mal über die Kostendeckung zu reden. Auch beim Bauprojekt im Schilde-Park scheint einiges nicht richtig rund zu laufen, wenn die Buschtrommeln nicht trügen. Wir hören, dass dort offenbar „über den dicken Daumen“ geplant wurde, weshalb nun beispielsweise Versorgungsleitungen auf Kosten der Stadt verlegt werden müssen.

Viel schlimmer noch ist eine Nachricht aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen, wonach der Stadt ein neues, großes Haushaltsloch durch Gewerbesteuerausfälle droht. Wenn man dann noch sieht, dass leider vor allem bei den Open-Air-Theaterstücken der Festspiele wetterbedingt große Lücken in den Zuschauerreihen klaffen, kann man sich schon um die Bilanz der Festspiele und um den städtischen Haushalt sorgen. Doch über all diese Themen liest man nichts in den täglichen Erfolgsmeldungen, die das Rathaus verbreitet.

Immerhin gibt es jetzt in der Stiftsruine Plexiglasfenster, die die Besucher vor dem unangenehmen Durchzug in dem alten Gemäuer schützen sollen. Für das Ruinen-Theater mag das ja schön sein, im Polit-Theater der Kreisstadt indes könnten wir drei Wochen vor der Wahl etwas auffrischenden Wind gebrauchen. Ankündigungen, wie die Wirtschaftspolitik zur Chefsache machen zu wollen, dürften wohl nicht reichen, um den Amtsinhaber aus dem Rathaus zu pusten.

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