Bad Hersfelder Festspiele

Zwischen den Zeilen: Neustart der Klassik und akustische Legenden

Karl Schönholtz

Die Hersfelder haben mit den Füßen abgestimmt, als am vergangenen Samstag und Montag in der Stiftsruine Verdis Requiem gespielt, gesungen und von Ben Becker passend besprochen wurde.

Das Besucherinteresse war erfreulich hoch, und kaum einer, der nachher nicht voll des Lobes über die Musik, den Chor, das Orchester, die Solisten und den Sprecher war. So hatte man sich das erhofft.

Der geglückte Neustart für die Klassik in der Stiftsruine eröffnet Perspektiven. In diesem Zusammenhang stellt sich dann auch gleich die Frage, ob der Arbeitskreis für Musik (AfM), der bisher die Oper veranstaltet hatte, künftig eingebunden werden kann. Der neue Vorstand hat Interesse und Bereitschaft erklärt und dabei im Vergleich zu früher moderate Töne angeschlagen. Wie ein Zusammenwirken funktionieren kann, das gilt es bei den Vorbereitungen für das nächste Festspieljahr herauszufinden.

Die wunderbare Akustik der Stiftsruine hat ihren Teil zum Gelingen des Verdi-Konzertes beigetragen - obwohl sie laut Festspielintendant Dieter Wedel eine bloße Legende ist. Im Gespräch mit unserer Zeitung hatte Wedel darauf hingewiesen, dass das auf der Bühne gesprochene Wort ohne elektronische Verstärkung nur in einigen wenigen Zuschauerreihen gut zu verstehen gewesen sei. Das hat Wedel geändert, auch wenn Theaterpuristen bedauern, dass Mikroports nun auch beim Schauspiel Einzug gehalten haben.

Ohnehin hat das Stichwort „Komfort“ bei den Festspielen einen neuen Stellenwert erhalten: Kurzerhand installierte Plexiglasabdeckungen in den oberen Seitenfenstern der Stiftsruine sollen die Zugluft fernhalten. Und für die Plastikstühle auf der „Spielwiese“ nebenan wurden zuletzt Schaumstoffpolster ausgegeben, damit es sich etwas bequemer sitzt.

Meik Ebert, Pressesprecher der Stadt Bad Hersfeld, ist ein fleißiger Mann. Im Moment freilich produziert er Pressemitteilungen am Fließband, kein Tag vergeht, ohne dass es „Neues“ aus dem Rathaus gibt. Ein Schelm, wer da einen Zusammenhang mit dem Bürgermeisterwahlkampf von Thomas Fehling sieht.

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