Ein Alleingang, Klientelpolitik und die Jazz-Frage

KarlSchönholtz

Wenn ich ehrlich bin, habe ich bis heute nicht verstanden, was Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling bewogen hat, ein Zukunftskonzept für die Festspiele vorzulegen, das weder mit den Beteiligten noch mit den politischen Playern der Stadt auch nur vorbesprochen ist.

Auch wenn Fehling sein Papier lediglich als Diskussionsgrundlage versteht, die nicht schon im Vorfeld durch Magistrat oder Fraktionen zerredet werden sollte, so entbehrt sie jeglicher Diplomatie. Weder Intendant Holk Freytag noch der Arbeitskreis für Musik (AfM) als Veranstalter der Oper in der Stiftsruine waren eingebunden. Mag man bei Freytag noch den Faktor Zeit anführen – 2017 ist sein Vertrag ausgelaufen –, so muss sich der AfM vor den Kopf gestoßen fühlen – und das recht heftig. Denn eigentlich sagt Fehlings Konzept, dass der AfM nicht mehr gewünscht ist. Die Vergangenheit hat jedoch gezeigt, dass der AfM durchaus Willens und in der Lage ist, seine Interessen zu vertreten. Bisher war der Bürgermeister gegenüber der Oper um Konfliktvermeidung bemüht, wie auch der Festspielintendant nicht nur einmal erfahren musste. Warum Fehling jetzt glaubt, den AfM derart rasieren zu können – wie gesagt, das kapiere ich nicht.

Was mit dem Hersfelder Haushalt 2014 passieren wird, das ist wohl die derzeit spannendste Frage der Stadtpolitik. Denn der drohende Ausfall von einer weiteren halben Million Euro bei der Gewerbesteuer hat die ohnehin angespannte Lage noch weiter verschärft. Zwar war in den Ausschusssitzungen dieser und der vergangenen Woche immer wieder mal von der gemeinsamen Verantwortung die Rede, doch es hat sich auch angedeutet, dass diesmal knallharte Klientelpolitik stattfinden wird. Das wäre noch nicht das Problem, wenn sich eine Mehrheit fände, die sich in der Verantwortung sieht, das Zahlenwerk am Ende gerade zu rücken. Doch nach dem Bruch der gemeinsamen Fraktion von SPD, Grünen und FWG gibt es keine offensichtliche Mehrheit mehr. Stattdessen ist mit wechselnden Ergebnissen zu rechnen, vielleicht auch nach dem Motto: Stimmst du hier mit mir, stimme ich dort mit dir. Was dabei am Ende heraus kommen soll? Nach der Haushaltssitzung des Haupt- und Finanzausschusses am 14. Februar wissen wir mehr.

Der Stadtmarketingverein beschäftigt sich derzeit intensiv mit der Zukunft des Live Jazz. Nachdem der bisherige Mitorganisator Philipp Kaufmann aus beruflichen Gründen nach Süddeutschland gezogen ist, stellt sich jetzt die Frage, wie Jazzer Jan Luley das beliebte Musikevent künftig auf die Beine stellt. Dennoch sind alle Beteiligten optimistisch, eine tragfähige neue Lösung zu finden. Ein wichtiger Faktor ist dabei allerdings auch das Engagement der Stadt.

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