Erfolgreiche Forstwirtschaft muss nicht mit Naturschutz kollidieren - „Rio“ im Wald

Zwischen Holz und Natur

Maßarbeit: Stefan Heußner hat eine Vier-Festmeter-Eiche gefällt. Förster Peter Moog freut sich über gute Arbeit und Ertrag. Foto: Hohmann

Bad Hersfeld. Zwischen Hof Meisebach und Allmershausen prägen dicke Eichen und Buchen den Waldort „Glimmes“. Wanderer und Spaziergänger durchstreifen auch im Winter gerne diesen zumeist alten Mischwald mit vielen Baum-Persönlichkeiten, die durch Stärke oder bizarre Wuchsform beeindrucken. Dazu gibt es jede Menge totes Holz, noch mit kahlen Ästen in den Himmel zeigend oder in Resten auf dem Boden vermodernd.

Hier ist der bewirtschaftete Forst auch ursprünglicher Wald. Der Glimmes gehört zum Revier des Försters Peter Moog (53) aus Heenes. Seit 21 Jahren zeigt er hier praktisch, dass erfolgreiche Forstwirtschaft und Naturschutz keine Gegensätze sind.

Abwarten lohnt sich

Wenn man zwischen den zweihundertjährigen Alteichen steht, deren Baumsäulen und -kronen erst in über 30 Metern Höhe in einem verzweigten Dach enden, kommt Ehrfurcht auf. Aus Napoleons Zeiten stammen diese Waldriesen und wachsen noch immer.

Doch im November hat Peter Moog einige dieser Giganten zum Fällen gekennzeichnet. Für eine Submission (Versteigerung gegen schriftliches Meistgebot) in Jesberg liefert er 20 Kubikmeter (fm) besten Eichenholzes. Forstwirtschaftsmeister Stefan Heußner (44) aus Allmershausen kennt seit 25 Jahren diesen Wald. Freude und Stolz leuchten in seinen Augen auf, wenn er hier arbeitet.

Am Stammfuß misst eine solch starke Eiche etwa einen Meter im Durchmesser. Der Profi fällt sie mit seiner sieben PS starken Motorsäge innerhalb von fünf Minuten.

Förster Moog begutachtet mit viel Zeitaufwand die Qualität des Stammes vom dicken Ende her. Wo der Fachmann verdeckte Astnarben ahnt, ist Schluss. Dieser Wertholzstamm endet nach exakt 6,2 Metern, hat in seiner Mitte einen Durchmesser von 63 Zentimetern und damit 1,78 fm Inhalt. Da strahlen die Forstleute: Sie erwarten einen Reinertrag von etwa 800 Euro je fm, das wären bei diesem Stück 1424 Euro. Mit dem Erlös für den Reststamm und das Kronenholz ergibt das insgesamt 1600 Euro. In fünf (!) Minuten verdient, denkt der Beobachter – in 200 Jahren sagt der Verstand.

Von Uwe Hohmann

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