Reporterinnen für einen Tag: Eine Tagesreise in die Zukunft mit fünf Mädchen

Zwischen den Chefsesseln

Ortswechsel: Von der Bank ins Hotel, von der Polizeistation in die Kirche – Tessa-Sophie Preßmann (vorne) und Merle Stanzel interviewen Dekan Ulrich Brill, bevor sie zum nächsten Termin laufen. Foto: Schleichert

Bad Hersfeld. Gute Geschichten liegen auf der Straße. Also hasten die Mädchen quer durch die Hersfelder Fußgängerzone, die großen Kameras bäumeln um die Hälse und die Fragen schwirren durch ihre Köpfe.

Es ist Girls’ Day – und Merle Stanzel, Lena Pfannstiel, Chiara Willhardt, Jasmin Krönung und Tessa-Sophie Preßmann sind Reporterinnen für einen Tag. „Wie entsteht die Zeitung?“, fragt Merle am Morgen. Am Nachmittag weiß sie, wie: „Reden, reden, schreiben.“

Forsche Fragen

Und laufen. Kilometerweit. Im Stechschritt laufen die Mädchen von einem Chefsessel zum nächsten. Ihre Aufgabe: Prominente Chefs aus Bad Hersfeld interviewen. Im Fahrstuhl fahren sie nach ganz oben. Dahin, wo die Büros größer sind als Wohnzimmer.

Das erste Büro liegt im Polizeipräsidium. „Gummibärchen?“, fragt der Mann im Anzug, der sich als Klaus Wittich, Leiter der Polizeidirektion, vorgestellt hat. Die Mädchen greifen nicht zu. Sie kichern. Gummibärchen – nein, von einem Polizeichef hätten sie dieses Angebot nicht erwartet.

„Nun sagen sie mir doch erstmal, wie ich ihren Namen richtig schreibe“, fragt die kesse Tessa. Wittich lacht. Mädchen, die so forsch sind – nein, die hätte der nicht erwartet.

Doch die fünf Reporterinnen wissen, was Journalisten ausmacht: „Fragen, fragen, fragen“, hat Redaktionsleiter Kai A. Stuthoff in der Morgenkonferenz gesagt.

Nur wer fragt, der bekommt auch Antworten. Doch auch die Befragten sind neugierig: „Ihr seid besser als die Jungs, oder?“, fragt Dekan Ulrich Brill herausfordernd. Die Mädchen grinsen – und nicken. „Ja“, sagen sie, „die besseren Noten haben wir.“

Es ist ein Ausflug in die Zukunft, den die Mädchen am Girls’ Day machen. „Und welchen Berufswunsch habt ihr?“, werden sie heute fünf- vielleicht auch sechsmal gefragt. Und jedes Mal zucken die Mädchen mit den Schultern.

„Normalerweise hätten wir jetzt die vierte Schulstunde und säßen im Klassenraum“, sagt Chiara. Die Siebt- und Achtklässlerinnen denken an die Hausaufgaben, aber nicht an Bewerbungsschreiben.

Vielleicht bewerben sie sich nach der Schule als Redakteurin. In der Redaktion, sagt Lena, könnte sie es aushalten. Aber das Büro vom Bürgermeister sei auch nicht zu verachten. Weitere Artikel

Von Pia Schleichert

Kommentare