Zwischen Berlin und Bad Hersfeld

Von Kai A. Struthoff (hier zu Besuch in Berlin bei Obama)

Die sonst stets glanzvolle und freudige Eröffnung der Festspiele wurde von der traurigen Nachricht vom Tod von Alt-Bürgermeister Hartmut H. Boehmer überschattet. Mit ihm verliert Bad Hersfeld einen Visionär und Macher, der diese Stadt geprägt hat wie kein Zweiter. Es war eine Ironie des Schicksals, dass Boehmers Todesnachricht am Premierentag die Bühne in der Stiftsruine beherrschte, die er so geliebt und geprägt hat. Mit ihm verliert auch die politische Bühne der Stadt einen Akteur, dessen Rolle so leicht nicht wieder zu besetzen ist.

Bei der abendlichen Premierenfeier in der Schilde-Halle fiel auf, dass Ehrengast, Bundestagspräsident Norbert Lammert, irgendwie ziemlich verloren wirkte. Minutenlang streifte er allein durch die Halle. Offenbar haben sich viele nicht so recht rangetraut an den zweiten Mann im Staat. Dabei ist Lammert ein offener, kluger und interessanter Gesprächspartner, wie etwa seine Einschätzung zum Eröffnungsstück Nathan der Weise für die HZ zeigte. Es fehlte jemand, der die „Honneurs“ macht und die richtigen Gesprächspartner zusammen-bringt. Schade, denn ein Multiplikator wie Lammert, kann wichtige Kontakte herstellen.

Andere wichtige Multiplikatoren fehlten gleich ganz bei der Premierenfeier – die Bürgermeister unserer Nachbargemeinden. Die waren nämlich von der Stadt nicht eingeladen worden, weil sich Bürgermeister Fehling darüber geärgert hatte, dass vor allem die SPD-Amtskollegen gegen einen Sitz von Bad Hersfelds Rathauschef im Aufsichtsrat der Wirtschaftsförderungsgesellschaft gestimmt hatten.

„Diesem Abstimmungsverhalten wird entnommen, (...) dass eine engere Kooperation zwischen den Gemeinden und der Kreisstadt dort nicht gewünscht ist. Daraus leitet Bürgermeister Fehling ab, dass eine Teilnahme an einer Veranstaltung der Kreisstadt (freiwillige Leistung der Bad Hersfelder Steuerzahler) ebenso nicht gewünscht sein kann“, heißt es in der Antwort auf eine entsprechende Anfrage im Stadtparlament.

Kerle, Kerle, würde der Nordhesse wohl sagen. So geht das doch nicht! Natürlich muss die Kreisstadt in der Wirtschaftsförderungsgesellschaft vertreten sein. Aber verständlicher Ärger darf doch nicht in Kleinmut umschlagen. Die Festspiele brauchen jede Unterstützung, die sie kriegen können – natürlich auch von den Gemeinden im Kreis.

Fehlings Entscheidung ist wohl auch im Magistrat auf Missfallen gestoßen, wie man hört. Ohnehin scheint die Stimmung nicht die beste zu sein. „Es macht keinen Spaß“, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Es rutscht wohl derzeit einiges durch, was besser bedacht hätte werden sollen.

Festspiele hin, Stadtpolitik her: Für mich war der Besuch von US-Präsident Obama in meiner Heimatstadt Berlin der Höhepunkt der Woche. Als ich vor fast 50 Jahren im amerikanischen Sektor geboren wurde stand „Ich bin ein Berliner“ auf meiner Geburtsanzeige. John F. Kennedy hat auch später mein Leben stark geprägt.

Deshalb war es für mich Ehrensache, auch Barack Obama zu sehen – trotz enormer Sicherheitsauflagen (weshalb kaum ein „normaler“ Berliner den Präsidenten zu Gesicht bekam) und trotz der Hitzeschlacht auf dem Pariser Platz.

Obwohl auch hier im früheren Zonengrenzgebiet einst der eisige Wind des Kalten Krieges blies, ist das Verhältnis von den West-Berlinern zu „unseren Amis“ ein Besonderes. Gewiss, Obama ist nicht Kennedy, seine Rede wird vielleicht nicht in die Geschichtsbücher eingehen. Aber ein Satz bleibt mir im Ohr: „Unsere Werte haben gewonnen.“ Ich weiß genau, was er meint.

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