Zwiespältige Gefühle und unbegründete Sorgen

Karl

Es war ein zwiespältiges Gefühl, aus nächster Nähe zu beobachten, wie am Donnerstag Nachmittag der erste Baum für den geplanten Windpark auf dem Wehneberg weichen musste. Alleine die Vorstellung, dass im sonst so beschaulichen Stadtwald ganze Flächen freigeräumt werden und dann die Baumaschinen und Kräne anrücken, lässt einen nicht unberührt. Andererseits: auch die Energiewende verlangt Kompromisse. Ein Zwiespalt eben, der uns in Stadt und Kreis noch lange begleiten wird.

Wer nach den jüngsten Bad Hersfelder Haushalts-Kalamitäten in Sorge war, nun sei auch der kaum gerettete Live-Jazz wieder in Frage gestellt, der kann beruhigt werden: Weil der städtische Zuschuss in Höhe von 15 000 Euro nicht im Haushalt selbst, sondern im Wirtschaftsplan des Kurbetriebs eingestellt ist, ging es in dieser Woche im Magistrat nur noch darum, ob das Geld auch einem anderen Veranstalter zur Verfügung gestellt werden soll. Damit hatten die Damen und Herren Stadträte offenbar kein Problem, so dass nach dem Rückzug des Stadtmarketingvereins jetzt die Agentur Vitamin-B-Events aktiv werden kann.

Was lange währt, wird endlich... ja, ob es gut wird, das wissen wir noch nicht: Für den kommenden Mittwoch hat Festspiel-Intendant Holk Freytag jedenfalls zur Pressekonferenz geladen, um die Besetzungen für die bevorstehende Spielzeit bekannt zu geben. Nach Wochen der Unsicherheit, was die Finanzierung angeht, und nach langwieriger Prüfung der Verträge liegt der Zeitpunkt dieser Bekanntgabe ungewöhnlich spät. Gespannt sind wir trotzdem und hoffen natürlich, dass im gewiss guten Ensemble wieder einige „große Namen“ der deutschsprachigen Theaterlandschaft vertreten sind.

Turbulent geht es derweil auch weiter im Werrastädtchen Heringen zu. Das Gros der Stadtverordneten stellt sich mit seinen Entscheidungen ganz offensichtlich gegen den Bürgermeister. Das lähmt die Stadtpolitik. Aktuell ist es die Verweigerungshaltung vieler Parlamentarier in Sachen Haushaltskonsolidierungskonzept. Obwohl es am vergangenen Mittwoch ein klärendes Gespräch bei der Kommunalaufsicht in Bad Hersfeld gegeben hatte, wurden dann tags darauf bei der Abstimmung im Parlament alle guten Vorsätze wieder über Bord geworfen. Das große Aussitzen geht in die nächste Runde. Und der Entwurf des Haushalts für das Jahr 2014 hängt daher weiter in der Warteschleife fest. Mal schauen, wem bei diesen Possenspielchen zuerst die Puste ausgeht – den Stadtverordneten oder vielleicht doch dem Bürgermeister.

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