Gastspiel des Hallenser Universitätsinstituts für Musik

Märchenoper und Schulmeister-Kantate beim Musiktheater im Bach-Haus

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Musikalisch: Eine zünftige Schulstunde im Johann-Sebastian-Bach-Haus.

Bad Hersfeld. Märchenhafte Tage. Schon weil alle Märchen, die gesungen werden, Opern sind. Und weil alle Opern, die gespielt werden, Märchen sind. Sind wir Erwachsene, die sie hören und sehen, dann nicht bezauberte Kinder?

In diese Richtung gingen manche Publikumsäußerungen bei den Musiktheatertagen im Bach-Haus in Bad Hersfeld. Nun sind sie zu Ende, die Gastspiele des Hallenser Universitätsinstituts für Musik – und wir durften die Darbietungen wunderbar finden, anrührend, zauber- und märchenhaft. Am Sonntag etwa Carl Reineckes (1824-1910), des Leipziger Gewandhaus-Kapellmeisters, Kinderoper „Glückskind und Pechvogel“ auf ein Textbuch von Richard von Volkmann-Leander (1830-89). Da treffen im Märchenland Prinzessin Glückskind und der Pechvogel zusammen – und wir staunen, was der Kuss einer Königstochter bewirkt. Der nun lachende Pechvogel schwebt im siebten Himmel, und die Prinzessin muss weinen. Dem König und seinem Hofstaat passt das gar nicht, der Glücks-Pechvogel soll sterben. Oder weiß jemand einen Rat? Ja, der Minister Entengrütze. Ein zweiter Kuss muss her, und die Prinzessin lacht wieder. Den furchtlosen Pechvogel macht der König auf der Stelle zum Schwiegersohn, zum Kronprinzen Felix Peter I. von Utopien und zu seinem Nachfolger. „Ei, das ist ein schönes Ende“ singen sie schließlich vereint.

Sie sangen und spielten es so hingebungsvoll-glaubhaft, dass die Urkraft der Verwandlung, die jedes Märchen und alles Theater antreibt, den ganzen Zuschauerraum füllte: Sophia Oertel als Glückskind, Cristina Radu als Pechvogel, Daniel Hirschel als König, Peter Strickrodt, Felix Stirn, Katharina Kunz und Jasmin Berger als Hofstaat. Dazu der originale Klavierpart (zu vier Händen: Aleksandr Stepanov, Michael Stolle), der mit veritablem Vorspiel, Leitmelodien und vollgriffig-brillantem Satz auf den Spuren von Mendelssohn, Liszt und Wagner wandelte. Genauso wie die Story, die Bühnen- und Personenregie (Hugo Wieg) leicht an die Papageno-Episoden aus Mozarts „Zauberflöte“ denken ließ.

Zuvor die Überall- und Jedermann-Komödie, wie sie eine zünftige Schulstunde abgibt. Hier in Gestalt der Telemann-Kantate „Der Schulmeister“. Den barocken, stolzgeschwellten Schulmeister gab Felix Stirn (Bass). Gegen seine Knute sträubten sich als Schüler Jasmin Berger, Katharina Kunz, Sophia Oertel und Cristina Radu. Matthias Erben und Claudia Noll (Violine), Arne Böker (Violoncello) und Michael Stolle (Leitung und Cembalo) bildeten das kleine, feine Begleitensemble. Die Kooperation Bad Hersfeld-Halle soll fortgesetzt werden, war am Rande zu erfahren. (Weyh)

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