Amtsgericht Bad Hersfeld stellte Verfahren gegen vermeintlichen Verkehrsrowdy ein

Ein Zweikampf auf kurviger Straße

Bad Hersfeld. Was tatsächlich am 14. Juni vergangenen Jahres auf der Straße zwischen Solms und Kerspenhausen passierte, das wissen wohl nur die beiden Beteiligten. In großer Angst hatte sich an diesem Tag eine Frau in die Station der Autobahnpolizei geflüchtet und berichtet, sie sei von einem anderen Autofahrer bedrängt, bedroht, ausgebremst und gefährdet worden. Jetzt musste sich dieser Fahrer, ein junger Mann aus Niederaula, vor dem Amtsgericht Bad Hersfeld verantworten.

Beleidigend gestikuliert

Sie sei, so berichtete die Frau, mit ihrem Auto auf der Strecke zwischen den Niederaulaer Ortsteilen Solms und Kerspenhausen unterwegs gewesen. Kurz hinter Mengshausen, am Ende eines geschwindigkeitsbeschränkten Bereichs, habe sie ihr Fahrzeug beschleunigt. Gleichzeitig habe der Mann am Steuer des hinter ihr fahrenden Autos Gas gegeben und versucht, sie zu überholen. Eine ganze Zeit lang sei er auf der relativ schmalen und kurvigen Straße direkt neben ihr gefahren und habe dabei wild und beleidigend gestikuliert, dann sei er knapp vor ihr eingeschert und habe so scharf gebremst, dass sie auf die Bankette ausweichen und ebenfalls voll bremsen musste, um einen Zusammenstoß zu vermeiden.

Der Fahrer sei dann aus seinem Auto ausgestiegen. Das habe ihr Angst gemacht, also sei sie an ihm vorbeigefahren, berichtete die Frau. Der Mann habe sie dann noch zweimal überholt und jedes Mal ausgebremst, einmal in der Ortsmitte von Kerspenhausen.

Ganz anders schilderte der Angeklagte den Vorgang. Er habe es mit seinem älteren Auto nicht geschafft, an der vor ihm fahrenden Frau vorbeizuziehen, sagte er. Also habe er gestikuliert, um sie aufzufordern, ihn vorbeizulassen. Als das nicht gelang, habe er den Überholvorgang abgebrochen und es später an einer anderen Stelle erneut und mit Erfolg probiert. Von Beleidigungen und Gefährdungen wollte der Angeklagte nichts wissen. „Warum sollte ich einer Dame so etwas antun?“, fragte er.

Da sowohl der Angeklagte als auch die Zeugin sich nicht an alle Einzelheiten erinnern konnten und beide alleine in ihren Autos gesessen hatten, da zudem der Angeklagte seinen Führerschein bereits abgegeben hat und nun zur medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) muss, regte Oberamtsanwältin Birgit Steinmüller die Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage an.

Dagegen hatten weder Verteidigerin Daniela Morbach noch Richter Alexander Baumann etwas einzuwenden. Wenn der von Hartz IV lebende Angeklagte 450 Euro in sechs monatlichen Raten an die Verkehrswacht bezahlt hat, geht er ohne Vorstrafe aus dieser Sache heraus. (zac)

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