Radfahrer-Initiative verleiht „Pannenflicken“ an die Stadt – „Das ist ein alter Hut“

Zweifelhafter Preis

An der Unterführung Bismarckstraße/Frankfurter Straße müssen Radfahrer ihr Fahrrad über eine Rampe schieben. Einem Bürger stieß dies offenbar so sauer auf, dass er die Stelle für den „Pannenflicken“ einer privaten Initiative vorschlug – mit Erfolg. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Über eine zweifelhafte Auszeichnung darf sich die Stadt freuen – oder auch nicht. Die Initiative Cycleride verleiht der Stadt den „Pannenflicken 2011 in Gold“ für die Radverkehrsführung an der Bismarckstraße/Frankfurter Straße.

Cycleride ist nach eigenen Angaben eine bundesweite private Initiative von Radfahrern, die sich für eine praxistaugliche Radverkehrspolitik einsetzt sowie für „Sicherheit, Toleranz und Verständnis im deutschen Radfahreralltag“. Die „Pannenflicken“ werden seit 2006 jährlich vergeben. Entsprechende Vorschläge kann laut Christian Peters von Cycleride jeder mit Text und Foto einreichen. Über die Vorschläge kann online abgestimmt werden. Aus 15 im Jahr 2011 zur Wahl stehenden Radwegen sei die große Mehrheit auf Bad Hersfeld entfallen, den Vorschlag habe seinerzeit ein Hersfelder Bürger eingereicht.

Über die Auszeichnung wurde die Stadt per E-Mail informiert, eine „Urkunde“ soll noch per Post eintrudeln.

Im Technischen Rathaus zeigte man sich überrascht von dem „Preis“. „Ich kenne diese Initiative nicht“, sagt Martin Bode, aber die Unterführung an der Frankfurter Straße sei ja ein alter Hut. Und ihm sei klar, dass die Situation unschön sei.

Unterführung eine Notlösung

Die Unterführung sei eine Notlösung aus den 60er-Jahren, auf Fahrradfreundlichkeit habe man damals nicht unbedingt so viel Wert gelegt. „Das lässt sich derzeit auch nicht ändern, eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht“, so Bode.

Wer zum Beispiel mit Tüten, einem Kinderanhänger oder als Fernradfahrer mit viel Gepäck unterwegs sei, dem bereite die Unterführung, an der man das Rad steil hinunter oder hinauf schieben muss, durchaus Probleme. Die nächste barrierfreie Querung der Bahnlinie ist am Bahnhof möglich, wo es einen Aufzug gibt. Ein Fahrrad samt Anhänger passe dort allerdings auch nicht rein, wie Bode aus eigener Erfahrung weiß. Eine weitere Querungsmöglichkeit ist die Brücke an der Sondershäuser Straße.

Martin Engel, zweiter Vorsitzender des ADFC-Kreisverbands und in Hersfeld aktiv, ist die Initiative Cycleride zwar ebenfalls nicht bekannt, der Meinung, dass die Stelle für Radfahrer eine „Schikane“ darstellt, ist er aber auch. Die Zufahrt zur Innenstadt sei in jedem Fall beschwerlich.

Für Fernradfahrer müsste die Radwegführung besser beschildert, beziehungsweise müsste diese umgeleitet werden, um sie gar nicht erst an der Unterführung stranden zu lassen, wenn sie in die Innenstadt wollten.

Die Beschilderung des Fernradwegs R1 kündigte Martin Bode noch für dieses Frühjahr an. Ob er in irgendeiner Form auf die Post von Cycleride reagieren wird, ließ er noch offen.

Von Nadine Maaz

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