„Rettet den Stadtwald“ und NABU: Ornithologische Fakten sprechen gegen Windräder

Zweifel an Abo-Wind-Gutachten

Sie passen nicht zusammen: Rotmilane und Windkraftanlagen. Foto: Archiv

Bad Herfseld. Der NABU Bad Hersfeld und die Bürgerinitiative (BI) „Rettet den Stadtwald“ werfen der Firma Abo-Wind vor, ihr Gutachten zum Windkraftstandort auf dem Wehneberg im Stadtwald enthalte Fehler. Erst kürzlich hatte die Wiesbadener Firma einen Antrag auf Prüfung einer Genehmigung für acht 200 Meter hohe Windräder beim RP eingereicht (wir berichteten) und damit für erhebliche Irritationen auch in der Stadtverwaltung gesorgt.

Bei den vorgelegten Gutachten sei etwa zum Thema Rotmilan „inhaltlich ungenau“ gearbeitet worden, heißt es nun in einer gemeinsamen Presseerklärung. Der NABU habe zahlreiche dokumentierte Sichtungen vorgelegt, wonach Rotmilane gerade über dem Wald und auch im geplanten Windkraftgebiet fliegen. Die Gutachter hingegen behaupteten, diese seien nur außerhalb des Waldes nachgewiesen.

Der NABU habe wesentlich detailliertere Daten zum Rotmilan zusammengetragen und bereits der Oberen Naturschutzbehörde vorgelegt. Im Gutachten sei auch vom Schwarzstorch zu lesen, der als „Nahrungsgast“ immer wieder am Stötzelsteich auf dem Wehneberg zu finden ist. „Dass der Storch dafür aus dem Rohrbachtal kommt (siehe Nachweise Waldtangente) und damit mitten durch die Anlagen fliegen müsste, wird nicht erwähnt“, kritisieren die Windkraft-Aktivisten. Der NABU gehe deshalb davon aus, dass die geplanten Windkraftanlagen aufgrund der ornithologischen Fakten nicht realisiert werden können.

Zudem erweise sich der Stadtwald als „ökologischer Hotspot“ streng geschützter Fledermausarten, darunter die besonders bedrohten „Großen Abendsegler“, „Bechsteinfledermaus“ und „Kleine Hufeisennase“. Gerade letztere ist in Hessen im Moment überhaupt nur bei uns auf dem Wehneberg nachgewiesen.

Außerdem zweifelt die Bürgerinitiative weiter an der Wirtschaftlichkeit der Anlagen. „Zu den zu erwartenden Windmengen gibt es im Gutachten keine Klärung, die Daten des Messmastes liegen noch nicht vor.“ Das Jahr 2013 sei bereits das siebte sogenannte Schwachwindjahr. Hinzu kämen weitere Faktoren. „Diese Anlagen würden niemals wirtschaftlich laufen“, glauben deshalb die Sprecher der BI, Andrea Zietz und Markus Gressmann.

Das Fazit von NABU und Bürgerinitiative: „Auf Basis solcher Gutachten darf keine Baugenehmigung erteilt werden – hier muss gründlich nachgebessert werden.“ Zudem stelle sich die Frage, ob unter diesen Bedingungen ein solcher Eingriff zu verantworten sei.

Die BI fordert daher, dass die Mediation des Umweltministeriums nicht durch „solch übereilte Genehmigungsanträge mit fehlerhaften Gutachten“ unmöglich gemacht werde. (red/kai)

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