Montagsinterview mit Schulleiter Karsten Backhaus zum 40. Geburtstag der MSO

„Zwei unter einem Dach“

Tradition und Moderne: Schulleiter Karsten Backhaus auf einer historischen Schulbank vor der Modellschule Obersberg (MSO), die in diesem Jahr den 40. Geburtstag feiert. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Die Ferien sind vorbei, auch an der Modellschule Obersberg (MSO) geht der Unterricht wieder los. Dort wird in diesem Jahr groß gefeiert: die MSO feiert ihren 40. Geburtstag. Nadine Maaz sprach aus diesem Anlass mit Schulleiter Karsten Backhaus.

Die MSO wird 40 Jahre alt und ist laut Jubiläumsschrift frisch wie am ersten Tag. Inwiefern?

Karsten Backhaus: Wenn man älter wird – das geht uns allen so – muss man generell sehen, dass man frisch bleibt und nicht stehen bleibt. Wir können nicht auf dem Stand von 1980, 1990 oder 2000 verharren. Wir sind stolz darauf, dass wir eine gute und hohe Akzeptanz im Landkreis haben und wir top aufgestellt sind. Leuchttürme sind unser Chor, die Blechbläser, das GBO oder das Vivarium. Wir können als Landschule fast jeden Leistungskurs anbieten, zum Beispiel auch Musik, Kunst oder Latein.

Für Außenstehende ist das Konzept mit verschiedenen Abteilungen und Bildungsgängen nicht einfach zu durchschauen ...

Backhaus: Eigentlich ist es wie in einem Betrieb mit zwei Produktionslinien. Unter dem Dach der Modellschule Obersberg gibt es zwei Abteilungen: das Oberstufengymnasium und die kaufmännische Berufsschule. Die Idee, gymnasiale und ökonomische Bildung zu verbinden, entstand in den 70er-Jahren und ist so auch hier in Hessen immer noch „einzigartig“. Unseren Schülern ist dieses Konstrukt sehr klar, und vielen bietet es lange Zeit eine Heimat, etwa denen, die hier ihr Abitur machen und in der Ausbildung wieder an der MSO unterricht werden.

Sie setzen auf moderne Pädagogik. Was heißt das?

Backhaus: Ein Punkt unseres Leitbilds ist Modernität. Darunter verstehen wir eine zukunftszugewandte Einstellung, die sich ihrer Wurzeln bewusst bleibt. Konkret versuchen wir zum Beispiel, aktuelle Entwicklungen in den Unterricht reinzubringen und unsere Schüler über die normalen Unterrichtsinhalte hinaus auf das Leben nach der Schule vorzubereiten. Wir setzen auf offene Unterrichtsmethoden und haben an der Schule etwa eine Übungsfirma, in der sich die Schüler selbtsändig ausprobieren können. Wir waren auch eine der ersten Schulen mit eigenem Schulzoo. Unser Vivarium verlangt eine hohe Verantwortung von den Schülern, die Tiere müssen schließlich auch in den Ferien versorgt werden.

Schule ist also mehr als das Lernen von reinem Faktenwissen?

Backhaus: Absolut. Faktenwissen ist definitv wichtig, auch für die Abschlussprüfungen. Aber mit Faktenwissen allein kommt man auch im Berufsleben heute nicht voran. Softskills wie Teamfähigkeit oder Konfliktfähigkeit sind ebenso gefragt. Auch bei der Berufs- und Studienorientierung wollen wir unsere Schüler nach vorn bringen. Wir wollen sie neben dem eigentlichem Unterrichtsstoff zu lebensfähigen jungen Menschen erziehen, die selbstverantwortlich raus in die Welt gehen können.

Es heißt, im Kreis fehlt ein reines Gymnasium ...

Backhaus: Das sehe ich nicht so. Ein reines durchgängiges Gymnasium würde bei eher geringen Schülerzahlen auch niemals ein so breites Angebot bieten können wie die MSO. Wir Waldhessen haben ja auch das Geschick, vieles schlecht zu reden. Wir sehen vielleicht: wir haben kein Gymnaisum. Aber: wir haben in unserem Landkreis hervorragende Schulen, die sehr gute Arbeit leisten.

Sind die Schüler heute wirklich fauler als früher oder weniger gebildet, wie es gerade die Älteren gerne behaupten?

Backhaus: Es heißt ja immer, früher war alles besser, auch das Abitur war schwerer und anspruchsvoller. Das kann man so aber nicht sagen. Gerade das Zentralabitur verlangt von den Schülern einiges. Unsere Schüler müssen viel lernen. Sie sind aber auch sehr motiviert. Das zeigen die guten Noten im Abitur. Disziplinprobleme haben wir kaum.

Kommentare