Montagsinterview mit Alf Rothe, dem Vorsitzenden des Opern-Veranstalters AfM

Zwei unter einem Dach

Bad Hersfeld. Der Arbeitskreis für Musik (AfM), Veranstalter der Oper in der Bad Hersfelder Stiftsruine, steht auch abseits der hohen Kunst immer wieder in den Schlagzeilen, nicht zuletzt durch das (Nicht-) Verhältnis zur Stadt Bad Hersfeld mit ihren Festspielen. Unsere Zeitung sprach mit dem AfM-Vorsitzenden, Alf Rothe, über die vergangene Spielzeit, überraschende Programmänderungen und Perspektiven.

Herr Rothe, wie ist die Bilanz der Oper 2011 ausgefallen? Wir haben gehört, dass die Auslastung bei „Der Barbier von Sevilla“ und „Die verkaufte Braut“ nicht so toll war.

Alf Rothe: Wir hatten diesmal leider keinen solchen Erfolg wie mit „Nabucco“ im Jahr zuvor. Bei den 17 Opernvorstellungen waren in dieser Spielzeit fast 12 000 Besucher, also etwa 15 Prozent weniger als im vergangenem Jahr. Wir hatten damit gerechnet, dass es einen Rückgang geben würde, doch nicht so deutlich. Dabei waren die Kritiken in den Zeitungen und im Rundfunk gut. Auch die Besucher, mit denen ich gesprochen habe, waren meist begeistert. Doch mit einer Auslastung von 55 Prozent sind wir diesmal deutlich unter unserem Durchschnittswert von 70 Prozent zurückgeblieben.

Bringt das den AfM jetzt finanziell in Bedrängnis?

Rothe: Durch den Vorverkauf, der ja im Oktober beginnt, hat sich bereits frühzeitig eine Tendenz abgezeichnet. Wir haben also gleich angefangen zu sparen, wo es ging. Die fehlenden Einnahmen fallen also nicht derart ins Gewicht, dass wir jetzt ruiniert wären. Das kann kompensiert werden.

Ist die kurzfristige Änderung des Spielplans für 2012 eine Reaktion auf den Besucherrückgang? Statt „Aida“ und „Così fan tutte“ werden jetzt „Rigoletto“ und „Don Giovanni“ aufgeführt.

Rothe: Ja, wir sind auf weniger kostenintensive Produktionen umgeschwenkt, um ein geringeres Risiko einzugehen. „Rigoletto“ ist eine etwas kleinere Oper und „Don Giovanni“ ist für die Stiftsruine unter künstlerischen Aspekten wahrscheinlich besser geeignet. Deswegen haben sich Siegfried Heinrich, der künstlerische Direktor der Oper, und Professor Ekkehard Klemm, der „Don Giovanni“ dirigieren wird, meiner Meinung nach für eine gute Alternative entschieden.

Für das Jubiläumskonzert zur 1275-Jahrfeier der Stadt Bad Hersfeld hat der AfM einen Zuschuss beantragt. Dessen Gewährung ist politisch umstritten und wegen angeblicher Formfehler noch immer in der Schwebe. Was halten Sie davon?

Rothe: Zu diesen Vorgängen kann ich wenig sagen, da haben wir keinen Einfluss. Wir möchten natürlich, dass alles korrekt abläuft und warten auf die Entscheidung der Gremien.

Sind Sie enttäuscht, dass der AfM dadurch erneut in die Schlagzeilen geraten ist?

Rothe: Berichtet wird doch eigentlich über den AfM nur, dass er einen Antrag für einen Zuschuss gestellt hat. Dass Vorgänge transparent sein müssen, ist doch in einer Demokratie selbstverständlich..

Kritik am AfM gab es auch von Bürgermeister Thomas Fehling, der sich öffentlich über die mangelnde Gesprächsbereitschaft ihrerseits beklagt hat, was eine Kooperation zwischen Festspielen und Oper betrifft.

Rothe: Wir korrespondieren ständig mit dem Bürgermeister. Was eine engere Zusammenarbeit angeht, sind wir dabei, Gespräche zu vereinbaren. Nicht nur über das große Ziel, sondern auch über Details. Außerdem haben wir das erste Mal eine Einladung für die nächste Sitzung des Kulturausschusses Ende September. Es sind also alle bemüht, miteinander zu sprechen. Und nicht nur zu reden, sondern auch mit einem Ergebnis nach Hause zu gehen.

Wie stellen Sie sich denn eine gemeinsame Zukunft von Festspielen und AfM vor?

Rothe: Akzeptanz. Man müsste anfangen, einander zu akzeptieren.

Das würde aber weiter ein Nebeneinander bedeuten.

Rothe: Grundsätzlich denke ich, man kann in allen Dingen kooperieren. Nicht nur hinter der Bühne oder organisatorisch, sondern auch im künstlerischen Bereich.

Die Wahrnehmung draußen ist ja ohnehin eine andere. Da wird beim Begriff „Bad Hersfelder Festspiele“ oft nicht unterschieden zwischen Schauspiel und Oper.

Rothe: Ja, wir haben beispielsweise schon früher eine gemeinsame Werbung angeregt, so dass die Oper nicht nur als Anhängsel wahrgenommen wird. Auch künstlerisch könnten zwei Leiter da sein. Es gibt dann einen Intendanten, aber auch einen Generalmusikdirektor. Das wäre für Bad Hersfeld sinnvoll und durch die Größe der Oper gerechtfertigt. Unter einem Dach könnte es auch nach wie vor zwei Veranstalter geben. Unser Anliegen ist doch, den Hörern mit Opern aus vier Jahrhunderten ein reichhaltiges Angebot zu unterbreiten.

Von Karl Schönholtz

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