AG Theater der KDS führt in dieser Saison Goldonis „Diener zweier Herren“ auf

Zwei sind einer zu viel

Was bedeutet dieser Brief? Beatrice Rasponi, gespielt von Chiara Kremser (Mitte), will von Pandolfo (Hannes Weber) eine Erklärung. Diener Truffaldino (Katharina Kurz) gerät in Bedrängnis. Foto:  Becker

Bad Hersfeld. Der Hunger ist bekanntlich noch nie ein besonders guter Ratgeber gewesen. Und je leerer Truffaldinos Magen ist, desto wilder werden Ideen des Dieners, wie er seinen ungeheuren Appetit stillen könnte. Es dauert nicht lange, bis ihm der rettende Gedanke kommt: „Wer zwei bedient, darf auch für vier essen!“ lautet seine Erkenntnis, die gleichzeitig den Stoff für das wohl bekannteste Stück des italienischen Dramatikers Carlo Goldoni „Diener zweier Herren“ liefert, welches die AG Theater der Konrad-Duden-Schule in diesem Jahr aufführt.

Verwirrspiel der Extraklasse

Die Situation ist überaus verzwickt: Der totgeglaubte Federico Rasponi taucht plötzlich in Venedig auf und fordert die ihm versprochene Heirat mit Rosaura, der Tochter des reichen Kaufmannes Pandolfo ein. Die ist aber mittlerweile einem anderen versprochen und findet zudem keinerlei Gefallen an Rasponi. Was niemand weiß: Nicht Federico, sondern seine Schwester Beatrice ist es, die als Mann verkleidet ihren des Mordes beschuldigten Verlobten Florindo retten und außerdem auch eine ordentliche Stange Geld von Pandolfo eintreiben will. Im Schlepptau hat sie ihren Diener Truffaldino, der sich jedoch arg vernachlässigt fühlt und deshalb kurzerhand einen zweiten Herren sucht. Truffaldino weiß nicht, dass er sich als zweiten Arbeitgeber ausgerechnet Florindo eingehandelt, der nach Venedig geflohen ist und dort nun in derselben Pension wohnt wie seine Verlobte. Ein Verwirrspiel der Extraklasse beginnt, bei dem irgendwann niemand mehr so recht weiß, wem und was er eigentlich glauben soll und das dennoch ein gutes Ende findet.

Die Nachwuchsschauspieler der Konrad-Duden-Schule leisten im Stück Erstaunliches. Katharina Kurz überzeugt in ihrer Rolle als immer hungriger, zerstreuter und mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein ausgestatteter Truffaldino, der in seiner Doppelrolle mehr als einmal in Bedrängnis gerät, Ramona Meier glänzt in der Rolle des versnobten Florindo. Für wahre Begeisterungsstürme im Publikum sorgen bei der Premiere des Stückes die beiden Sechstklässler Hannes Weber als Kaufmann Pandolfo und Jan Saure in der Rolle des Doktor Lombardi. Während Pandolfo rastlos über die Bühne hampelt und dabei versucht, sowohl der Situation Herr zu werden als auch seine Tochter an den Mann zu bringen, lamentiert Lombardi pausenlos auf lateinisch und schwingt dabei seinen Gehstock das ein oder andere Mal gefährlich nah an seinem Gegenüber vorbei.

Text kam beim Proben

Die Schauspielerei scheint den beiden Schülern im Blut zu liegen: „Wir haben zu Hause fast gar keinen Text gelernt, der kam einfach so beim Proben“, berichtet Hannes und Jan, der eigentlich Französisch lernt, hatte kaum Probleme mit der antiken Sprache.

Die Leiterin der AG Theater Andrea Exner ist stolz auf ihre Schützlinge, die auch zu den Proben am Wochenende kamen und es neben Unterricht und Hausaufgaben schafften, eine gelungene Aufführung auf die Beine zu stellen. Da macht es auch nichts, dass nicht nur die Charaktere, sondern auch die Schauspieler angesichts von so viel menschlichem Durcheinander im Stück nicht immer genau wissen, welchem Herren Truffaldino gerade eigentlich dient, dem Charme der Aufführung tut dies jedenfalls keinen Abbruch.

Von Hannah Becker

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