Umbenennungen in Bad Hersfeld: Carl-Peters- und Lüderitzstraße verschwinden

Zwei neue Straßennamen

Festspielprobe zu Faust 1954: Intendant Johannes Klein, Co-Regisseur Georg Nickel, Ewald Balser und Albin Skoda (von links). Foto: HZ-Archiv 

Bad Hersfeld. Man sieht noch nichts, doch ab morgen heißen in Bad Hersfeld zwei Straßen anders als bisher: Die oberhalb des Kurviertels gelegenen Carl-Peters-Straße und die Lüderitzstraße werden dann in Elisabeth-Selbert-Straße und Johannes-Klein-Straße umbenannt.

Zwar sind die Anwohner in den vergangenen Tagen von der Bauverwaltung noch einmal über die Namensänderung informiert worden, doch bis zum Austausch der Straßenschilder werden wohl noch ein paar Wochen ins Land gehen.

Hintergrund der Umbenennungen ist die fragwürdige Vergangenheit der bisherigen Namensgeber. Sowohl Carl Peters („Hänge-Peters“) wie auch Adolf Lüderitz sind Personen der deutschen Kolonialgeschichte und haben zum Teil erhebliche Schuld auf sich geladen.

Gegen den Beschluss der Stadtverordnetenversammlung zur Namensänderung hatte sich im Nachhinein starker Protest geregt. Viele Anwohner waren dagegen, andere schlugen vor, die Peters-Straße durch einen erklärenden Hinweis einem unverdächtigen Namensvetter zuzuschreiben. Auch kam der Vorschlag, einen Bürgerentscheid herbeizuführen. Eine Bürgerinformationsveranstaltung wurde als Farce empfunden, weil die Entscheidung längst gefallen war. Auch der Parlamentsbeschluss, dass die durch die Adressänderung entstehenden Kosten teilweise durch die Stadt übernommen würden, konnte die Gemüter zunächst nicht beruhigen.

Die neuen, vom Magistrat ausgewählten Straßennamen beziehen sich nun auf völlig unbelastete Persönlichkeiten: Johannes Klein (1897-1976) war erster Intendant und maßgeblicher Mitbegründer der Bad Hersfelder Festspiele. Der gebürtige Österreicher war bei den Salzburger Festspielen ein Wegbegleiter Max Reinhardts. „Das Salzburger Große Welttheater“ markierte denn auch den Beginn der Aufführungen in der Stiftsruine. Klein war mit der Ballettmeisterin Katja Kröck (†1993) verheiratet, die bei den Festspielen als Choreographin arbeitete. Beide sind auf dem Hauptfriedhof am Frauenberg begraben.

Elisabeth Selbert (1896-1986) hat sich in der Parlamentarischen Kommission zum Grundgesetz für die Gleichberechtigung von Mann und Frau eingesetzt. Ihr Verdienst ist die Aufnahme der Gleichberechtigung ins Grundgesetz.

Von Karl Schönholtz

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