36-Jähriger verurteilt: Immer wieder betrunken ohne Führerschein am Steuer

Zwei Flaschen Wodka am Tag

Bad Hersfeld. Achtmal Fahren ohne Führerschein, in den meisten Fällen unter Alkoholeinfluss, dazu Urkundenfälschung durch die Benutzung geklauter Autokennzeichen und Tankbetrug – das waren die Vorwürfe, wegen derer sich ein 36-jähriger Mann aus Bad Hersfeld jetzt vor Strafrichter Elmar Schnelle verantworten musste.

Damit nicht genug: Der Angeklagte brachte eine lange Liste von 13 Vorstrafen mit und stand zudem zum Zeitpunkt der neuen Taten im Sommer vergangenen Jahres unter Bewährung.

Doch auch das war nicht das Entscheidende in diesem Prozess. Vielmehr ging es einerseits darum, dem seit dem Jahr 2000 in der Bundesrepublik lebenden Russlanddeutschen Einhalt zu gebieten, was seine Straftaten anging, und andereseits ihm zu helfen, von seinen massiven Alkoholproblemen loszukommen.

Zwei Flaschen Wodka am Tag – das war das Quantum, das der gelernte Tischler in seinen schlimmsten Zeiten schluckte. Kein Wunder, dass bei einigen seiner Trunkenheitsfahrten Blutalkoholwerte von mehr als drei Promille gemessen wurden. Folgerichtig wurde er in einem Fall auch nicht wegen der eigentlichen Tat, sondern wegen Vollrausches verurteilt. Verminderte Schuldfähigkeit nahm Richter Schnelle ohnehin bei allen Anklagepunkten an.

„Es hätte nicht so weit kommen müssen“, sagte Rechtsanwältin Daniela Morbach, die den 36-Jährigen verteidigte. Mit der Unterbringung in einer Entziehungsanstalt oder einem Haftbefehl hätte man dem Treiben ihres Mandaten früher ein Ende bereiten und dem Alkoholkranken helfen können. „Ich bin schuldig und brauche Hilfe“, sagte der geständige Hersfelder in seinem Schlusswort.

„Wir haben Ihnen geholfen“, entgegnete Richter Schnelle, denn der Angeklagte sitzt schon seit geraumer Zeit in Untersuchungshaft und hat sich gesundheitlich zumindest ein wenig erholt.

Verurteilt wurde er schließlich zu zwei Jahren Freiheitsstrafe und der von seiner Anwältin befürworteten Unterbringung. Das Urteil entsprach auch den Vorstellungen der Staatsanwaltschaft.

Von Karl Schönholtz

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