Zukunftsausschuss denkt ohne Tabus – Pfarrer Dr. Volker Mantey informiert Kreissynode

Zuversichtlich verkleinern

Nachdenkliche Synodale: Wie soll es mit der Kirche weitergehen? Diplom-Ökonom Tobias Jäger (links), seit 1. Februar kaufmännischer Vorstand der Stiftung Kurhessisches Diakonissenhaus Kassel, bezeichnete die angedachten Stellenkürzungen als sinnvoll. Vor dem Hintergrund zurückgehender Gemeindegliederzahlen und sinkender Kirchensteuereinnahmen gelte es glaubwürdig zu bleiben: „Gute Kommunikation ist das A und O!“ Fotos: Apel

BAD HERSFELD. Auch wenn sich die kirchlichen Finanzen im vergangenen Jahr stabilisiert haben, muss mittel- und langfristig erheblich gespart werden. Das schrieb der Vorsitzende des von der Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) 2011 eingesetzten elfköpfigen Zukunftsausschusses, der Spangenberger Pfarrer Dr. Volker Mantey, den Synodalen des Kirchenkreises Hersfeld am Samstag bei ihrer Frühjahrstagung ins Stammbuch.

Ein Viertel weniger Pfarrer

Nach dem Stand der Dinge könnten sich die Rahmenbedingungen so entwickeln, dass bis 2026 die Anzahl der Pfarrstellen um mindestens 25 Prozent reduziert werden muss. Aber nicht nur das: In der Verwaltung könnte sich das Einsparvolumen auf rund 30 Prozent belaufen und auch bei der Vorhaltung von kirchlichen Gebäuden könnte das Ende der Fahnenstange noch längst nicht erreicht sein. Der Ausschuss gehe deshalb, so Mantey, in seinem im November vorgelegten „Korridorpapier“ davon aus, dass sich die Anzahl der Gemeindehäuser und der Gemeinderäume „am realen Bedarf“ orientieren müsse. Darüber hinaus zeichne sich ab, dass vorgeschlagen werde, die „Residenzpflicht“ aufzuheben. Das befreie die Pfarrer von der Vorgabe, in den örtlichen Pfarrhäusern wohnen zu müssen, und eröffne den Pfarreien die Möglichkeit, „frei“ über ihre Pfarrhäuser verfügen zu können.

Die Ortskirchen sollen „ihre exponierte Stellung als Blickpunkte und Zeugnisse der Verkündigung in den Dörfern und Städten“ behalten, unterstrich der Spangenberger Gemeindepfarrer. In Zukunft soll jedoch noch kritischer geprüft werden, wie sehr die Gebäude genutzt werden und ob das Kosten-Nutzen-Verhältnis vertretbar ist. Deshalb heißt es in dem vom Zukunftsausschuss, dem auch der Bad Hersfelder Festspielintendant Holk Freytag angehört, nach elf Sitzungen vorgelegten Zwischenpapier: „Die Aufgabe von Kirchengebäuden darf kein Tabu bleiben.“

Vor Ort präsent bleiben

Ziel aller Überlegungen sei es, dass Kirche vor Ort präsent bleiben könne und dass Pfarrer „vor allem wieder mehr geistliche Leiter“ sein können. Um das zu erreichen, sei es unumgänglich, „Nachrangigkeiten und Sparmöglichkeiten auf allen Ebenen der kirchlichen Arbeitsfelder und Organisationen“ zu benennen. „Wir haben deshalb ganz frei und ohne Tabus und ohne irgendwelche Einflussnahme darüber nachgedacht, wie wir zuversichtlich kleiner werden können“, betonte der Geistliche, der eingestand: „Es ist viel leichter Prioritäten zu setzen als Aufgabenfelder zu streichen!“ Gleichwohl sei die „Posterioritäten-Diskussion“ der richtige Weg. Denn es sei besser, Dinge, die nicht gut laufen, zu benennen und sich auf die eigentlichen Dinge zu konzentrieren, als in immer neuen Kürzungsrunden in immer größere Depressionen zu verfallen.

Weitere Infos: http://www.ekkw.de/media_ekkw/downloads/syn1202_bericht_zukunftsausschuss.pdf Hintergrund, Text unten

Von Wilfried Apel

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