Unterschiedliche Meinungen zur Geräuschkulisse

Ein Jahr Windpark am Wehneberg: Zuversicht und Kritik

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Seit über einem Jahr drehen sich die sechs Windräder im Bad Hersfelder Stadtwald. Über die Menge des bislang produzierten Stroms geben die Betreiber keine Auskunft

Bad Hersfeld. Etwas über ein Jahr ist der Windpark im Bad Hersfelder Stadtwald am Wehneberg nun in Betrieb. Am 2. Dezember 2014 wurde die erste von sechs Anlagen ans Stromnetz angeschlossen – Zeit für eine Zusammenfassung. Weit auseinander gehen die Meinungen vor allem was den Geräuschpegel betrifft.

Die Bilanz des Betreibers

Konkrete Aussagen zur Stromproduktion gibt es noch nicht, da sich der Windpark noch in der „Anlaufphase“ befinde, die in der Regel etwa zwei Jahre dauere. In dieser Zeit werden laut eines Sprechers der Stadtwerke Stuttgart zum einen die Anlagen und der Betrieb optimiert. Zum anderen werden Wartungs- oder Reparaturarbeiten vorgenommen. Beides könne die Energieausbeute, aber auch den Geräuschpegel beeinflussen. Die erste wirtschaftliche Gesamtbewertung könne deshalb, und um wechselhaften Naturphänomenen Rechnung zu tragen, frühestens drei Jahre nach der Inbetriebnahme erfolgen. Mit der gleichen Begründung wurde auch eine Anfrage der CDU-Fraktion abgelehnt. Man sei aber weiterhin zuversichtlich, dass der Windpark die Erwartungen erfüllen könne.

Die Stuttgarter Stadtwerke hatten die Anlagen für 28 Millionen Euro gekauft. Der Energieertrag der knapp 200 Meter hohen Anlagen mit einer Leistung von je 2,5 Megawatt soll pro Jahr 40 000 Megawattstunden betragen, womit 14 000 Haushalte versorgt werden könnten. Die Windkraftanlagen sind per Kabel über das Umspannwerk Hohe Luft ans Stromnetz angeschlossen.

Der häufige Stillstand

Offenbar weil an einigen Rotorblättern der Korrosionsschutz nicht korrekt aufgetragen worden war, musste an fast allen Anlagen entsprechend nachgearbeitet werden. Bei einer Anlage steht dies noch aus. Diese Arbeiten können nur im Stillstand vorgenommen werden. Auch zu bestimmten Schutzzeiten muss der Betrieb ausgesetzt werden, etwa um Vögel oder Fledermäuse nicht zu gefährden.

Die Rolle von Abo Wind

Der Projektierer Abo Wind ist mit dem Verkauf an die Stadtwerke eigentlich raus. Allerdings ist Abo Wind als externer Dienstleister mit der kaufmännischen und technischen Betriebsführung beauftragt worden. Auch für die Wiederaufforstung der Flächen nach dem Bau war das Unternehmen aus Wiesbaden noch verantwortlich. Die Aufforstung wurde 2015 beendet.

Die Position der Stadt 

Bürgermeister Thomas Fehling hatte nie ein Hehl daraus gemacht, dass er über den Mehrheitsbeschluss der Stadtverordnetenversammlung nicht unbedingt erfreut war. Mindestens 202 000 Euro an Pachteinnahmen erhält die Stadt pro Jahr für alle sechs Anlagen. Diese Vereinbarung gilt für 20 Jahre. Wenn nach der Abschreibephase Gewerbesteuern anfallen, sind diese laut Stadtsprecher Meik Ebert anteilig in Bad Hersfeld zu zahlen.

Die Stuttgarter Stadtwerke stehen in regelmäßigem Kontakt mit der Stadt beziehungsweise Bad Hersfelds Klimaschutzbeauftragtem Guido Spohr.

Die Genehmigung

Das Regierungspräsidium Kassel als Genehmigungsbehörde achtet darauf, dass die Auflagen für den Betrieb des Windparks eingehalten werden, und laut Pressesprecher Michael Conrad gibt es bislang auch keine Verstöße. „Daran ist auch uns gelegen“, erklärt Conrad. In Kürze soll es eine dritte Lärmmessung an errechneten „repräsentativen Emissionsorten“ geben.

Den Zweifeln der Bürgerinitiative aus Ludwigsau an den Protokollen zum Betrieb der Anlagen setzt er entgegen, dass diese automatisch aufgezeichnet würden und so vor Manipulation geschützt seien.

Das sagen die Bürgerinitiativen

Die BI „Rettet den Stadtwald“ um die beiden Vorsitzenden Markus Gressmann und Andrea Zietz hat den Betrieb beobachtet und bewertet das Projekt weiterhin kritisch. Von einem „Kollateralschaden“ im Rohrbachtal angesichts der Lärmbelastung und der „Illusion in Bad Hersfeld etwas gegen die drohende Klimakatastrophe“ getan zu haben ist die Rede. Dass die Anlagen oft gar nicht oder nur teilweise liefen, wertet die BI als „cleveres Modell“ der Investoren, da durch geringe Stromerträge die Subventionen steigen würden. Besonders enttäuscht sind Gressmann und Zietz angesichts der „nachträglichen Genehmigung für den Nachtbetrieb“ – dies gehe eindeutig zu Lasten der Anwohner und der Fledermauspopulation. „Der Stadtwald hat massiv verloren als ökologischer Raum und Erholungsgebiet“, sind sich Markus Gressmann und Andrea Zietz einig.

Wir fühlen uns verarscht“, sagt Markus Sauerwein von der „Bürgerinitiative für ein l(i)ebenswertes Ludwigsau“ in Richtung des Regierungspräsidiums. Er spricht von einer extremen, auch nächtlichen Lärmbelastung vor allem im Rohrbachtal. Sauerwein zweifelt an den Gutachten und den der Genehmigung zugrundeliegenden Annahmen zur Höhe des erlaubten Lärms. „Mit den Bürgern wird Schindluder getrieben“, meint Sauerwein und ergänzt: „Wir sind nicht gegen Windkraft und wir sind auch gesprächsbereit, aber es geht um das Wie.“ Laut Sauerwein werden eigenen Messungen zufolge sowohl die in Wohngebieten geltenden 40 Dezibel als auch die in Mischgebieten erlaubten 50 Dezibel übertroffen. Man wolle jedenfalls keine Ruhe geben und notfalls versuchen, die Nachtruhe gerichtlich zu erstreiten, erklärt Sauerwein.

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