Stadtkirchengemeinde und Johannesberg reagieren auf Austritte und knappes Geld

Zustimmung zur Fusion

Evangelische Basisdemokratie: 40 von knapp 4000 Mitgliedern der Stadtkirchengemeinde, aber auch Mitglieder der Johanneskirchengemeinde versammelten sich im Altarraum der Stadtkirche, um über einen Zusammenschluss der beiden Gemeinden zu beraten. Foto: Apel

BAD HERSFELD. Vor allem die demografische Entwicklung ist es, die neben Kirchenaustritten den evangelischen Kirchengemeinden der Region zu schaffen macht. Geringere Mittelzuweisungen und Pfarrstellenkürzungen sind die Folge. In der Kreisstadt wollen Stadtkirchengemeinde und Johanneskirchengemeinde dieser Situation jetzt dadurch begegnen, dass sie sich zusammenschließen.

Da eine Fusion in ureigene Rechte der beiden Kirchengemeinden eingreift, wurden vor einem Kirchenvorstandsbeschluss zunächst die Gemeindeglieder angehört. Dies geschah in Gemeindeversammlungen, zu denen die Kirchenvorstandsvorsitzenden Helga Völker und Pfarrer Holger Grewe eingeladen hatten. Nachdem schon ein Rundbrief verteilt worden war, informierten sie zusammen mit Pfarrer Georg von Schultz und Hans-Günther Brüßler darüber, welche Vorteile ein Zusammenschluss haben könnte.

Höhere Zuweisungen

Eine vereinigte Kirchengemeinde sei finanziell besser gestellt sei als zwei Einheiten, erläuterte Grewe.

Das sei von der Landeskirche auch so gewollt und höhere Finanzzuweisungen von dort würden es ermöglichen, wichtige Arbeitsfelder in gewohntem Umfang aufrechtzuerhalten – beispielsweise die Kindertagesstätte auf dem Johannesberg und die von der Stadtkirche gepflegte Kirchenmusik. Auf dem Johannesberg sprachen sich 45 von 50 Gemeindegliedern für einen Zusammenschluss aus. Altkirchenvorsteher Wilhelm Wolf meinte: „Letzten Endes geht es ums Geld, und da brauchen wir einen Rettungsschirm!“

Ähnlich sahen es die zur Gemeindeversammlung erschienenen Mitglieder der Stadtkirche. Nachdem ihnen versichert worden war, dass jede Ortskirche ihre Pfarrer behält, dass ein Zusammenschluss die Zusammenarbeit der Pfarrer befördern, und dass es eine Art „Ortskirchenvorstand“ mit eigenständigen Aufgabenbereichen geben werde, stimmten 37 der 40 Anwesenden dafür, die Fusion zu wagen.

Falls es dazu kommt, muss allerdings noch ein neuer Name gesucht werden. Der könnte „Stadtkirche“ lauten, was den anderen evangelischen Kirchengemeinden der Kreisstadt die Möglichkeit eröffnen würde, sich zu gegebener Zeit der neuen „Großgemeinde“ anzuschließen.

Ende für Gesamtverband

Als „Umstrukturierungstreibsatz“ haben sich auch die Anträge der relativ großen Gemeinden der Matthäus- und der Martinskirche erwiesen, die nicht mehr unter dem Dach des Gesamtverbandes der Bad Hersfelder Kirchengemeinden, sondern ganz selbstständig arbeiten wollen. Deren Position dürfte die Auflösung des Gesamtverbandes zum 31. Dezember zur Folge haben.

Von Wilfried Apel

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