Premiere an neuem Spielort: „Kein Schiff wird kommen“ am Freitag in der Schildehalle

Zustand einer Generation

Zweifelnd: Ein junger Autor (Andreas Vögler) auf der Suche nach sich selbst. Birthe Gerken greift unter anderem als Stimme der verstorbenen Mutter in diesen Prozess ein. Foto: Iko Freese

Bad Hersfeld. Es ist gleich eine doppelte Premiere: In der Schildehalle als neuer Spielstätte der Festspiele zeigt Regisseurin Andrea Thiesen am Freitag erstmalig das Stück „Kein Schiff wird kommen“. Es ist die Geschichte eines jungen Mannes, der ein politisches Drama sucht und eine Familientragödie findet.

Geschrieben wurde sie von dem Nachwuchsautor Nis-Momme Stockmann, der innerhalb weniger Monate zur großen Hoffnung auf dem deutschen Theatermarkt aufgestiegen ist. Von Berlin bis Stuttgart werden die Werke des 28-Jährigen bereits gezeigt.

Kein Stück - eine Fläche

Sein drittes Werk „Kein Schiff wird kommen“ bezeichnet der Autor allerdings nicht als Stück – sondern als Fläche. „Eine Fläche, so lautet der Untertitel von Stockmann“, erklärt Regisseurin Thiesen. „Zur Schildehalle als altem Industriedenkmal passt das wunderbar. Hier steht man auf einer riesigen Fläche, hat unzählige Möglichkeiten der Gestaltung und fühlt sich zu Beginn verloren.“ Und genau das sei die Situation, in der sich der Protagonist der Geschichte befinde.

Stockmann gibt, anders als üblich, für seine Geschichte keine Personenliste vor und räumt dem Regisseur für die Inszenierung damit viel künstlerische Freiheit ein. „Man könnte es auch zu einem Monolog machen, oder nur als Dialog zwischen zwei Personen zeigen. Ich habe mich aber für eine Variante mit drei Darstellern entschieden“, sagt Thiesen.

Mit nur zwei Wochen war die Probenzeit knapp bemessen, alle Schauspieler stehen schon seit Beginn der Festspiele auch in anderen Produktionen auf der Bühne der Stiftsruine.

„Kein Schiff wird kommen“ bezeichnet Thiesen als ihr persönliches Wunsch-Stück: „Der Zustand, in dem sich der junge Mann befindet, ist Wechselspiel zwischem dem Erfüllen der Erwartungen, die Außenstehende an einen richten, und eigener Orientierungslosigkeit. Das kenne ich selbst“, sagt sie. Sie habe das Stück gelesen und sofort gewusst: Das ist es.

Thiesen ist sich außerdem sicher, dass nicht nur sie und der Protagonist von Stockmanns Geschichte diese Zerissenheit kennen: „Ich glaube, dass sich eine ganze Generation in dem Stück finden kann. Wer heute Mitte 20, Anfang 30 Jahre alt ist, hat eine solche Bandbreite an beruflichen und privaten Möglichkeiten, dass man nicht weiter weiß“, erklärt sie.

Ausbildung, Studium, beides zusammen, in Deutschland oder doch lieber gleich im Ausland –- „wenn man nicht das eine herausragende Talent hat, muss man suchen, hat das Gefühl, jetzt mal was Konkretes anfangen zu müssen. So wie der junge Autor, der dabei „unglaublich ehrlich ist, seine Unfähigkeit sieht und sich Feigheit eingesteht“, verspricht Thiesen. Karten für Premiere am 9. Juli, ab 21 Uhr und die Vorstellungen gibt es bei der Kartenzentrale, Tel. 06621 201-313.

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Von Sonja Broy

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