Mit Zuspruch läuft’s leichter

Frühstücksritual: Helmut Heiderich beginnt den Tag mit seinen Mitarbeitern Sylvia Heuser und Timo Lübeck in seinem Büro.

Auf dem Weg aus dem Sitzungssaal wird Helmut Heiderich von einem Fernsehteam angehalten. Ein junger Journalist hält ihm statt eines Mikrofons eine grüne Sockenpuppe unter die Nase, doch Heiderich will sich nicht auf den gestrickten Gesellen einlassen. „Man muss ja nicht jeden Unsinn mitmachen“, murmelt er.

Dass das politische Klima in Berlin rauer und die Sensationsgier der Medien immer größer geworden ist, gefällt ihm offensichtlich gar nicht. „Es ist ein Geben und Nehmen“, sagt er. „Aber die Angriffe sind inzwischen so persönlich geworden, dass ich es bedenklich finde.“ Natürlich weiß Heiderich, dass ein wenig Theater dazugehört, dass der Weg nach oben ohne flotte TV-Sprüche kaum mehr möglich ist.

Aber der 62-Jährige will nicht mehr laut sein. „Ich will meine Arbeit so gut wie möglich machen“, sagt er. „Auf Ämter schiele ich nicht mehr.“ Der gebürtige Friedewalder ist nun Mitglied der Arbeitsgruppe wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung der CDU-Fraktion und hat sich innerhalb weniger Wochen in die komplexen globalen Zusammenhänge einarbeiten müssen.

Später an diesem Tag wird er noch eine Initiative zum Thema Welternährung einbringen. Nicht gerade ein Trend-Thema mit Schlagzeilenpotenzial, aber eines mit langfristiger Relevanz. Die Frage, wie lange er selbst noch auf der politischen Bühne stehen will, blockt Heiderich ab. „Erstmal die Legislaturperiode bis 2013 zu Ende bringen, dann können wir weitersehen.“

Bis dahin liegen noch einige rastlose Sitzungswochen vor ihm, in denen die Tage immer zu wenige Stunden haben. Heiderich vergleicht die Flut von Terminen mit einem Marathon bei Kilometer 32. „Da fragt man sich auch, warum man das macht“, sagt er lachend. „Aber dann läuft man doch weiter.“

Immerhin birgt der Alltag im Berliner Politikraumschiff auch ein paar warme Momente. Helmut Heiderich hat sich gerade mit einem Cappuccino ins Reichstagscafé gesetzt, als die Staatssekretärin Katharina Reiche auf ihn zusteuert und ihn überschwänglich begrüßt. „Fürs Protokoll: Wir sind froh, dass er wieder da ist“, sagt sie strahlend. Heiderich lächelt dankbar zurück. Mit Zuspruch läuft es sich immer leichter. Auch in Berlin. (str)

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