Bauamt lehnt Antrag des Eigentümers ab – Gutachten: Sanierung des Denkmals möglich

Zuse-Scheune in Bad Hersfeld: Kein Abriss

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Mit ihm kein Abriss: Bauamtschef und Denkmalschützer Johannes van Horrick beruft sich auf ein neues Gutachten zur Sanierbarkeit der Zuse-Scheune. Im Hintergrund der Neubau der Wohnanlage.

Bad Hersfeld. Die Zuse-Scheune in der Wehneberger Straße bleibt stehen: Die Bauverwaltung der Stadt Bad Hersfeld hat einen Abrissantrag des Eigentümers und Bauherrn der angrenzenden Wohnanlage „Zuse-Höfe“ abgelehnt.

„Eine Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes ist möglich“, beruft sich Johannes van Horrick, Leiter des städtischen Fachbereichs Technische Verwaltung, auf ein neues Gutachten, das Zustand und Schadstoffbelastung des historischen Fachwerkbaus untersucht hat. Demnach können die festgestellten Belastungen durch Holzschutz und den Austausch ohnehin schadhafter Balken auf ein akzeptables Maß verringert werden.

Das Mitte des 19. Jahrhunderts entstandene Produktionsgebäude steht für zwei bedeutende Kapitel Stadtgeschichte: Zunächst diente es der hier ansässigen Tuchfabrik Rehn, im vergangenen Jahrhundert fertigte Konrad Zuse hier seine ersten elektronischen Rechenmaschinen, Vorläufer der heutigen Computer. Daher auch der Name Zuse-Scheune sowie „Zuse-Höfe“ für die beiden neuen Wohnblocks.

Der teilweise Erhalt des Denkmals – der hintere Teil der Scheune wurde bereits abgerissen – war in Form einer Modernisierungsvereinbarung Bestandteil der Baugenehmigung, die Bauherr Ingo Sauer und seiner Firma isb den Weg für ihr Projekt ebnete.

Ein Gutachten vom November 2015 kam jedoch zu dem Schluss, dass die Schäden am Gebäude und die Kontamination durch Schadstoffe einen Erhalt nicht rechtfertigen. Allerdings war die Belastung durch zwei Mischproben aus den Spänen verschiedener Balken festgestellt worden. Sauer hatte daraufhin – zur Überraschung und Verärgerung der Stadtoberen (unsere Zeitung berichtete) – einen Abrissantrag gestellt.

Das neue Gutachten empfiehlt hingegen Einzelproben, um besonders schadstoffreiche Teile gezielt auswechseln zu können. Unter dem Strich kommt die Expertise zudem zu dem Schluss, dass das Gebäude „sanierungsfähig“ ist.

„Die Zuse-Scheune kann saniert werden – und die soll auch saniert werden“, meint deshalb Bürgermeister Thomas Fehling im Konsens mit dem Magistrat, der sich am Montagabend mit dem Gutachten beschäftigt hat.

„Verträge sind einzuhalten“, stellt Fehling darüber hinaus mit Blick auf den Investor fest und kündigt an, dass die Stadt einen Verfall des Gebäudes „über die kalte Küche“ nicht zulassen werde.

Für eine künftige Nutzung der Scheune gibt es zwar diverse Überlegungen, aber bislang noch keine konkreten Pläne.

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